Zweytes Kapitel. z8z
tizen Höfen von seiner Gesundheit Nachricht zu geben, ^um alle diese Gerüchte zu zerstreuen, die seinen po- 1520.litischen Einrichtungen schaden konnten. Uebri-gens ließ er niemals zu, daß man nachforschte, werden Feuerbrand aus dem Fenster geworfen hätte.
Ich allein habe die ganze Schuld, sagte er; ich^ habe die Thorheit begangen, es ist billig,daß ich die Strafe dafür leide.
Dieser Zufall gab Gelegenheit zu einer neuenMode. Man hatte seit langer Zeit die Haupt-haare lang, und den Bart kurz getragen. Dader König durch seine Wunde genöthiget wurde, die^ Haare sich abschneiden zu lassen, nahm er den Ge-brauch der Italiener und der Schweizer an, welchedie Haupthaare kurz, und den Bart lang trugen.
Der ganze Hof that es bald nach; aber das Volk,die Zünfte, vornehmlich die Obrigkeiten, bleibengern, so lange es nur möglich ist, bey den altenGebräuchen. Der lange Bart wurde nunmehrdas Kennzeichen der Hofleute; alle die ernsthaftenund ehrbaren Männer ließen sich barbiren. Derberühmt« Oltvier von Leuville konnte als Requeten-meister nicht anders in daö Parlament kommen,als mit der Bedingung, seinen langen Bart sichabschneiden zu lassen, wenn er bey den Verhöre»zugegen seyn wollte.
Jeder merkte wohl, daß der Friede zwischenden beyden nacheifernden Königen von keiner Dauerse>'N konnte; ihr Haß wurde von zu vielen einan-der entgegen laufenden Ansprächen und Vortheilen
genährt;