Band 
Zweyter Theil.
Seite
6
JPEG-Download
 

6

Zweytes Buch.

meinen/ aber entfernten Absichten, die beständig2 21 auf die Seele des Menschen wirken, aber die niemals

mächtig darauf wirken, allezeit kleine, eigennützigeAbsichten zwischen durch sehe, die gegenwärtig sind,und die Seele fortreißen: So waren bey diesemPabste die Anschläge, Parma und Piacenza wiederzu erhalten, dem Herzoge von Ferrara seinejStaa-ken zu rauben, das Meyländische mit dem Salzevon Cervia zu versehen u. s.w. kleine Nebenabsich-ten, wenn man sie mit dem Entwürfe vergleicht,alle Ausländer aus Italien zu verjagen. Wirwerden nunmehr sehen, was dieser Streit der all-gemeinen Absichten mit den besondern Vortheilenfür eine Wirkung in dem Betragen Leos des X.gehabt habe.

Wir haben bereits gesehen, daß er zur Erhe-bung Karls des V. auf den kaiserlichen Thron nichtsbeygetragen, denn er wollte keinen mächtigen Kai-ser haben. War es ihm nicht gelungen, seine Er-wählung zu hintertreiben, so konnte er ihm wenig-stens dadurch Verdruß machen, daß er ihn entwe-der nicht für einen Kaiser erkannte, oder einen Ver-zicht auf das Königreich Neapel von ihm verlangte.Anfangs schien es, als ob er diese letzte Partey zuergreifen gesonnen wäre; man glaubte, er würdestch auf die Seite des Königs von Frankreich schla-gen ^): Er machte auch mit demselben seinen ge-heimen Tractak, in welchem er ihm versprach,nicht allein Karln den V. nicht für einen Königvon Neapel zu erkennen, sondern selbst Franzen

zur

b) Euicemrä. l.. 14.