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Der Cicerone : eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens / von Jacob Burckhardt
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8
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g Architektur. Korinthische Ordnung.

massig verziert, die Voluten auf den Seiten mit schuppenartigem Blatt-werk bedeckt, ihre Spiralen schwunglos und mathematisch, die Deck-platte überreich) ']. Das Gebälk ist leicht und der Säule gemässgestaltet; der Architrav in drei übereinander hervortretende Riemengetheilt; der Fries ohne Unterbrechung durch Triglyphen zu fortlaufen-den Reliefs eingerichtet; alle Zwischenglieder und alle Theile des Ober-gesimses zart und reich gebildet. (An den römischen Überresten wohlebenso prachtvoll aber lebloser.) 2 ]

Endlich schuf noch die griechische Kunst das korinthische Ca-pital. An den Bauten Griechenlands selbst können wir dasselbe nurin seinen Anfängen nachweisen, Anfänge, die freilich Grösseres ver-heissen als es später unter römischer Hand wirklich erfüllt hat. (Diesog. Laterne des Demosthenes , richtiger: das choragische Denkmal desLysikrates in Athen .)

Indess haben die Römer diese Ordnung mehr geliebt und richti-ger verstanden und behandelt als die beiden andern, ja wenn man dieTrefflichkeit der korinthischen Formen am Pantheon und am Tempeldes Mars Ultor neben der sonstigen Thätigkeit so zahlreicher griechi-scher Künstler im damaligen Rom in Erwägung zieht, so wird auchwohl der Gedanke erlaubt sein, dass hier noch eine ziemlich unmittel-bare griechische Tradition, wenigstens stellenweise zu uns spricht.

Form, Verhältnisse, Dichtigkeit der Stellung hat die korinthischeSäule im Ganzen mit der ionischen gemein; Basis und Cannelirungen,wo diese sich vorfinden, sind dieselben. Das Capitiil aber bildet einenrunden Kelch, der mit zwei Reihen von Akanthusblättern ringsum be-kleidet ist. Aus diesen Blättern spriessen Stengel hervor, aus welchen

J ) In Rom , z. B. an der späten und sehr schlechten Restauration des Vespa-sianstempels und in Pompeji an vielen Bauten begegnet man einem ionischenCapital, welches statt der beiden Seitenvoluten vier Eckvoluten hat; gewisseine secundäre und nicht eben glückliche Schöpfung.

2 } Da zu wenige römisch-ionische Bauten erhalten sind, so urtheilen wir liiernach Fragmenten, welche allerdings auch von korinthischen Bauten herstam-men mögen; allein beide Ordnungen stimmen mit Ausnahme des Capitäls beiden Römern überein.