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Der Cicerone : eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens / von Jacob Burckhardt
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Architektur. Römisches Detail.

Hierin aber zeigt sich die römische Kunst wahrhaft gross. Sobaldman es vergisst, wie viel missverstandene und umgedeutete griechischeFormen unter den römischen versteckt liegen, wird man die letztem umihrer prachtvollen, höchst energischen Wirkung willen bewundernmüssen.

Von dem korinthischen Capital ist schon die Rede gewesen alsvon einer noch wesentlich griechischen Schöpfung. Am Gebälk findetsich zunächst ein bereicherter Architrav, dessen drei Bänder mit Perl-stäben u. dgl. eingefasst sind; bisweilen besteht das mittlere aus lauterOrnamenten. (Später: oft nur zwei Bänder.) Eine zierliche, nur zuweit vorwärts profilirte Blattreihe scheidet den Architrav vom Fries,welcher die Inschriften und Reliefs oder Pflanzenzierratlien enthält.(Später: der Fries in der Regel convex und auf irgend einen nichtmehr aufweisbaren, etwa aufgemaltcn Schmuck berechnet).) Heber demFries eine mannigfach variirte Aufeinanderfolge vortretender, reich de-corirter Glieder: Reihen von Akanthusblättern mit gefälligem Wellen-profil, Eierstäbe, Zahnschnitte, und als Uebergang zu dem mit Löwen-köpfen und Palmetten geschmückten Kranzgesimse: die Co ns ölen.Diese sind eine römische Umdeutung jener schrägen Dachsparren, diewir beim grossen Tempel von Pästum erwähnten und verdienen alsHöhepunkt alles römischen Formgefiihls eine besondere Aufmerksam-keit. Unter das wellenförmig gebildete, architektonisch verzierte Spar-renende legt sich, ebenfalls in Wellenform, ein reiches Akanthusblatt;sodann wird der Zwischenraum zweier Consolen von einer reich ein-gefassten Cassettc eingenommen, aus deren schattiger Tiefe eine Rosettehell herabragt. (Später: das Akanthusblatt kraftlos an die Consoleangesclimiegt; die elastische Bildung beider vernachlässigt; die Cas-setten flach, die Rose leblos gebildet.) Am Giebel ist ein Thcil desHauptgesimses mit den Consolen wiederholt, welche liier trotz desschrägen Ansteigens an den besten Bauten senkrecht gebildet werden,a (Vorhalle des Pantheon ). Ein vielleicht nur allzureicher Schmuck vonStatuen, Gruppen u. a. Zierrathen war auf der Höhe des Giebels undauf den Ecken angebracht. (Ein paar gute Akroterien oder Eckzier-b den aus römischer Zeit in der Galeria lapidaria des Vaticans.) DieAnwendung grosser plastischer Freigruppen in den Giebeln selbst istauch für die Römer wahrscheinlich, doch nicht mit Beispielen zu belegen.