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Der Cicerone : eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens / von Jacob Burckhardt
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Architektur. Tempel der Venus und Roma.

Anschwellung und Ausbauchung römischer Ordmingen. Der Unterbaumuss sehr hoch gewesen sein, da er noch jetzt aus dem Boden ragt.)

Von dem Wunderwerk Hadrians , dem Tempel der Venusund Roma, sind nur Stücke der beiden mit dem Rücken anein-ander gelehnten Collen erhalten, nebst einem Theil der UngeheuernUnterbauten und Treppenrampen und einer Anzahl von Säulenfrag-mcnten. Man fragt sich nur wo der Rest hingekommen? Was wurdeaus der 500 Fuss langen und 300 Fuss breiten Halle von Granitsäu-len, welche den Tempelhof umgab? was aus den cannelirten Säu-len von griechischem Marmor (jede sechs Fuss dick), welche, zehnvorn und zwanzig auf jeder Seite (die Ecksäulen beidemale gerechnet),das Tempeldach trugen, wozu noch acht innerhalb der vordem undder hintern Vorhalle kamen? wie konnte das Gebälk bis auf ein ein-ziges, jetzt auf der Seite gegen das Colosseum eingemauertes Stückgänzlich verschwinden? Wenn irgendwo, so iiussert sich hier diedämonische Zerstörungskraft des mittelalterlichen Roms, von welchersich das jetzige Rom so wenig mehr einen Begriff machen kann, dasscs beharrlich die nordischenBarbaren ob all der gräulichen Ver-wüstungen anklagt. Wenn auch die 5 t/ 2 Fuss dicke Marmormauer(denn liier waren es keine blossen Platten), welche die Ziegelmauerumgab, wenn die porphyrne Säulenstellung im Innern der beidenCellen mit summt dem Schmuck aller Nischen und der Bodenbeklei-dung geraubt wurde, so ist dies noch eher zu begreifen, weil es eineleichtere Aufgabe war. Hadrian hatte bekanntlich den Tempel sel-ber componirt und dabei auf einen höhern Totaleffekt des so wunder-lich in zwei Hälften getheilten Innern aus irgendwelchen Gründenverzichtet. Wenn aber der Tempel selbst 333 Fuss lang und 160 Fussbreit war, so blieb, bei der oben angegebenen Ausdehnung der Halledes Tempelhofes auch für die Wirkung von aussen nur ein vcrliält-nissmässig schmaler Raum übrig; der Beschauer konnte sich vorn oderhinten kaum 8o Fuss von einer Fassade entfernen, die vielleicht dop-pelt so hoch war (nämlich etwa so hoch als breit). Für den Anblickaus der Ferne war diess wohl gleichgültig, indem der Tempel mitseiner enormen Masse Alles überragte. Welcher Ordnung seineCapitäle gewesen, ist unbekannt; der Wahrscheinlichkeit nach wird erhier bei den korinthischen aufgezählt. Die Halbkuppeln der beiden Ni-