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Der Cicerone : eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens / von Jacob Burckhardt
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Antike Decoratlon. Marmorne Prachtgeräthe.

Auf die Architektur und bauliche Decoration der Alten folgtzunächst eine Classe von Denkmälern, in welchen das architekto-nische Gefühl, seiner ernsten Aufgaben entledigt, in freiem Formenausblühen darf. Wir meinen die marmornen Prachtgeräthe derTempel und Paläste: Candelaber, Throne, Tische, Kelchvasen, Becken,Drelfüsse und Untersätze derselben. Der Stoff und meist auch die Be-stimmung geboten eine feierliche Würde, einen Reichthum ohne eigent-liche Spielerei. Es sind die Zierformen der Architektur, nur so wei-ter entwickelt, wie sie sich, abgelöst von ihren sonstigen mechanischenFunctionen, entwickeln konnten. Man sehe z. B. den prachtvollenavaticanischen Candelaber (Galeria delle Statue, nahe bei derKleopatra ); in solchen reichgeschwungenen Blättern muss der Akan-thus sich auswachsen, wenn er nicht als korinthisches Capitiil ein Ge-bälk zu tragen hat! Man vergleiche die Stützen mancher Becken undKandelaber mit den Tempelsäulen, und man wird dort der stark aus-gebauchten, unten wieder eingezogenen Form und den schräg ringsumlaufenden Cannelirungen ihr Recht zugestehen müssen, indem die Stütz 6der freien Zierlichkeit des Gestützten entsprechen musste.

Andere Bestandtheilc dieser Werke sind natürlich rein decorati-ver Art, doch herrscht immer ein architektonisches Grundgefühl vofund hütet den Roichfhum vor dem Schwulst und der Zerstreuung'Schon die Reliefdarstellungen an vielen dieser Geriithe verlangten, wein 1sie wirken sollten, eine weise Beschränkung des bloss Decorativen.

Die Füsse, wo sie erhalten sind, stellen bekanntlich Löwenfüss 6vor, stark und elastisch, nicht als lahme Tatzen gebildet. An Thronei 1und Tischen setzt sich der Löwenfuss als Profilverzierung in schönen 1Schwung bis über das Kniegelenk fort; dort löst sich die Löwenhautetwa in Gestalt von Akantliusblättern ab und der Oberleib einer SphinSoder ein Löwenhaupt oder das eines bärtigen Greifes tritt als Stütz 6oder Bekrönung darüber hervor; die Flügel an der Sphinx oder amLöwenleib dienen dann als Verzierung der betreffenden Seitenwind'Die horizontalen Gesimse sind durchgängig sehr zart, als blosser arch 1 'tektonischer Anklang gebildet; ihre Bekrönungen dagegen mit Rech*reicher, etwa als Palmettenkranz. Eine gottesdienstliche Beziehung)direct auf Opfer gehend, liegt in den oft sehr schön stylisirten Wid"derköpfen auf den Ecken. — In den Formen der Vasen herrschen unt £l1