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Antike Decoration. Eherne Geräthe.
Auf den ersten Blick haben diese Überreste gar nichts Bestechen-des oder Überraschendes. Erstercs nicht, rveil der Grünspan sie un-scheinbar macht; letzteres nicht, weil unsere jetzige Decoration sie seitachtzig Jahren nachbildet, so dass bald kein Tischservice, keine Salon-lampe völlig unabhängig ist von diesen Vorbildern. Wer nun abernicht schon aus historischem Interesse dieser Quelle der neuern Deco-ration nachgehen will, der mag es doch um des innern Werthes wil-len getrost tliun. Er wird daun vielleicht inne werden, dass wir un-vollkommen und mit barbarischer Styl-Misehung nachalimen, dass wirdabei bald zu architektonisch trocken, bald zu sinnlos spielend ver-fahren, und dass uns nicht die Überzeugung, sondern die “Willkür lei-tet, sonst würde unsere Mode nicht im Chinesischen, in der Renaissance,im Rococo u. s. w. zugleich herumfahren, ohne doch Eines recht zuergründen. Die Alten stehen hier unsern barocken Niedlichkeiten undNippsachen recht grandios gegenüber mit ihrem Schönheitssinn undihrem Menschenverstände.
Vase, Leuchter, Eimer, Wage, Kästchen, und was all die Alter-thiimer noch für Namen und Bestimmungen haben mochten, — Allesbesitzt hier sein inneres organisches Leben, seine Entwicklung vomGebundenen ins Freie, seine Spannung und Ausladung; die Zierrathensind kein äusserliches Spiel, sondern ein wahrer Ausdruck des Lebens.
Schon die gemeinen Küchen- und Tischgefässe haben eine gute,schwungvolle Bildung des Profils, des Halses, namentlich der Hand-haben und Henkel. Eine Sammlung von abgetrennten Henkeln, ina einem Schrank des fünften Zimmers (Einiges auch in den Uffizien,b 12. Schrank des genannten Raumes) zeigt auf das Schönste, wie dieBildner jedesmal mit neuer Lust die einfache Aufgabe lösten, in die-sem Tlieil des Gefässes eine erhöhte Kraft und Dehnbarkeit auszu-sprechen, und wie der Auslauf des Henkels in eine Maske oder Pal-mette gleichsam ein letzter, glänzender Ausdruck dieser besondern Be-lebung sein sollte. (Eine sehr edel stylisirte Handhabe mit Blattwerkcim genannten Raum der Uffizien, 13. Schrank.) An Urnen, Opfer-schalen und andern festlichen Geräthen ist natürlich auf dergleichennoch eine besondere Sorgfalt verwendet. Wo von der Aussenseite desGefässes ein grösserer Tlieil verziert ist, findet man in der Regel, dassForm und Profil des Zicrrathes der Bewegung des Gefässes, seinen!