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Der Cicerone : eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens / von Jacob Burckhardt
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86
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Christi. Architektur. Basiliken v. Ravenna u. Lucca .

a S. Teodoro (oder S. Spirito), aus der Zeit Theodorichs de 9Grossen, beim Baptisterium der Arianer (s. unten). Die schon er'wähnte Herculesbasilica war, nach den Überresten zu urtheilen, wohlkein kirchliches Gebäude.

b S. Apollinare nuovo , die bedeutendste Basilica in der Stadtjmit rundem Thurm; die Nebentribunen verbaut; die 24 Säulen au 9Constantinopel mit besonders bezeichnenden, fast ganz gleichen Capi'tälen; das Gesimse über den Bogen alt. Grossartiges, trefflich erhal'tenes Mosaikensystem an den Obermauern des Mittelschiffes.

Später und schon mehr mittelalterlich als diese ravennatischeflc Kirchen: der Innenbau von SanFrediano in Lucca (VII. Jalirhun'dert?), ursprünglich fünfschiffig, jetzt durch Capellen verengt. DieCapitäle theils aus römischer Zeit, theils den römischen ohne Verwil'derung nachgebildet, mit dünner Platte; die Bogen noch ohne Über'höhung. Der auffallend hohe Oberbau, die Fassade und die jetzigeTribuna werden einem Umbau des XII. Jahrhunderts wohl mit Bechtzugeschrieben, allein die beiden letztem mit ihren geraden Gebälkenüber den Wandsäulchen, und die Aussenseiten der Nebenschiffe mHihren Consolen und Wandstreifen (statt Bogenfriesen und Pilastern)weichen so weit von dem pisanisch-lucchesischen System des XII. Jahr'hunderts ab, dass man annehmen dürfte, der Umbau habe etwa dieFormen der alten Kirche reproducirt. Gerade diese abweichendenElemente sind aber das Wohlgefälligste am ganzen Gebäude und einvielleicht fruchtbringendes Motiv für unsere Baukunst. Schon Brunei'lesco hat die genannte Eintlieilung der Seitenwände an der Kirche derBadia bei Fiesoie unverliolcn nachgeahmt,d Der Innenbau von S. Miccliele in Lucca gilt ebenfalls für sehralt (VIII. Jahrhundert), wenigstens sind die Säulen und Capitäle nochdenen von S. Frediano ähnlich behandelt.

Der Dom von Triest , eine ausgedehnte, ziemlich unscheinbareBasilica (VI. Jahrhundert?) lohnt doch die Mühe des Besteigens wege 11der eigenthümlichen Verbindung der Kirche mit dem Baptisterium und