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Der Cicerone : eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens / von Jacob Burckhardt
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Christliche Architektur. Grabkirchen.

sechszehnseitig, unten Nischen, dann zwei Galerien mit geradem Ge'bälk, spitzbogige Lünetten und der Anschluss der Kuppelgurten. -'Von den Baptisterien von Pisa und Florenz , in welchen sich jene*toscanische Styl glanzvoll ausspricht, wird unten die Rede sein. ^a Das letzte Baptisterium, welches gebaut (oder doch nur so spät um-gebaut) wurde, ist meines Wissens das Achteck von Pistoja, 133'?

Eine zweite Gattung von kleinern Gebäuden, welche als Central'bauten gestaltet wurden, kommt wenigstens in zwei Beispielen vor:Die Grab kireben hoher Personen,b S. Costanza bei Rom , wahrscheinlich als Grabmal zweierTöchter Constantins d. Gr. erbaut; der innere Cylinder mit der Kuppelauf zwölf Doppelstellungen von Säulen mit besondern Gebälkstücken(roh, ausgebauchte Friese) ruhend; der Umgang ebenfalls rund mit mo'saicirtem Tonnengewölbe. Merkwürdiges Gegenbild zu den ganz alsAussenbau gedachten heidnischen Kaisergräbern. (In Constantinopelscheint die Apostelkirche zur Kaisergruft absichtlich gebaut gewesenzu sein.)

c Das Grabmal Theodorichs d. Gr. (f 526), jetzt insgemein la ro-tonda genannt, vor dom Thor von Ravenna ; aussen polvgon undehemals mit einer Säulenhalle versehen, innen rund; Erdgeschoss undI-Iauptgeschoss; die flache Kuppel bekanntlich aus Einem von Dalma'tien hergebrachten Stein, 34 Fuss im Durchmesser. Namentlich amHauptgesimse selbständige und ausdrucksvolle Detailbildung. Der Por'pliyrsarg, beim Sturz der Ostgothen der Gebeine beraubt, ist jetzt ind der Stadt an dem sog. Palazzo de 1 Re Te odorico eingemauerteinem echten Rest des alten Königspalastes, von dessen ehemaligerFassade ein Mosaik in S. Apollinare nuovo (rechts vom Eingang) einphantastisches Bild giebt.

c Diesen Denkmälern schliessen wir noch das der Galla Placidiäin Ravenna an, jetzt SS. Nazario e Celso genannt (um 440); zwarein lateinisches Kreuz, aber durch die Erhöhung und Überkuppelungder Mitte (mit einem sog. böhmischen Gewölbe) den Centralbauten ge'nähert. Die Mosaikornamente zumal am Tonnengew'ölbe des vordemKreuzarms an Werth und Alter denen des orthodoxen Baptisteriums