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Der Cicerone : eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens / von Jacob Burckhardt
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138
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138 Gothische Architektur. Kirchen von Venedig .

ist kaum zu rechtfertigen, wenn auch dieselbe nicht urkundlich g e 'sichert sein sollte. So viel wird Jedermann zugeben, dass diese graB'diose Kirche kein einheimischer venezianischer Gedanke ist, dass sl8auf das Stärkste contrastirt mit aller sonstigen venezianischen Rau 111 'behandlung. Das Innere ruht auf hohen Rundpfeilern; die An ot&'nung ist hier schon ganz italienisch, so dass das Mittelschiff ausliehst grossen Quadraten besteht, die Seitenschiffe aus oblongen A' 1 'theilungen. Sonderbarer Weise geschieht der Abschluss des prächt 1 'gen Chores mit seinen Doppelfenstern und derjenige der sechs Cap^'len an der Rückseite des Querschiffes nicht durch ein Fenster, sonder 11durch einen Pfeiler '). Am Äussern ist der Backstein noch ohne d» 9Raffinement der spätem Gothik behandelt; Stein ist nur an den wen 1 'gen Baldachinen über den Giebeln und an den (kenntlich frühgoth 1 'sehen) Portalen gebraucht. Der Abschluss der Fassadengiebel in sonderb* fgeschwungenen Mauerstücken ist eine venezianische Zuthat; die echt ß11alten geraden Linien Niccolös laufen noch wohlerhalten darunter hi*'Die Nebenseiten erinnern ganz an S. Maria novella.

Um dieselbe Zeit sollvon Dominicanern, welche Niceolö's ScW 1 'a 1er waren, S. Giovanni e Paolo in Venedig erbaut word®*sein. Diese Kirche ist die höhere Stufe der ebengenannten; sie vc f 'meidet die Übelstände derselben. Die Verhältnisse sind beträchtU 0 ^schlanker und schöner; die hintern Abschlüsse geschehen durch Inter'valle (Fenster), nicht durch Pfeiler. Über der Kreuzung wurde ei 11 ®Kuppel angebracht. Nur die Fassade weicht von der edeln Einfaph'heit der Frari ab; sie sollte mit Marmor incrustirt werden und bli c ^unvollendet.

Endlich soll Niccold Pisano auch die berühmte Kirche des hei' 1b Antonius in Padua (il Santo) erbaut haben, welche 1256 he'gönnen wurde. Dass der Santo den Frari in der Anlage auf kei* 1 *Weise gleicht, wäre kein Beweis gegen Niccolös Urheberschaft;Aufgabe war hier eine andere, nämlich die, ein Gegenstück zur >h ir 'cuskirche zu schaffen; eine Grabkirehe zu Ehren des grossen nei ielJHeiligen von Oberitalien . Griff man vielleicht in einem nur halb h®'

*1 Man erinnere sich der Galerien lucchesischer Fassaden, wo auch ein 11 'chen statt eines Intcrvalles auf die Mitte trifft. Vgl. S. 107.