200 Frührenaissance. Mailand . Bramante.
derne Mörtelbekleidung und wirkt nur noch durch das Allgemeine derRaumschönheit; im wohlerhaltenen Äussern dagegen spricht sich derechte Geist der Friihrenaissance mit seiner ganzen anmuthigen Kühn-heit aus. Auf engem Unterbau (so dass der südliche Querarm nichtin die Strasse hinaustreten durfte) wollte Bramante eine bedeutendepolygone Flachkuppel mit leichter offener Galerie errichten; in schö-ner und geistvoller Weise bereitet er das Auge darauf vor. Elegantabgestufte Einrahmungen theilen den Unterbau — Chor und Quer-arme mit runden Abschlüssen, hinter welchen noch gerade Obermauernemporragen — in schlank scheinende Stockwerke; Pilaster, Wand-candelaber, Gesimse und Medaillons grossentlieils von Stein, die Fül-lungen von Backstein. Die genannten runden Abschlüsse der Quer-arme sind für die Lombardie eine traditionelle Form, die schon mitalten Beispielen w'ie S. Lorenzo in Mailand, S. Fedele in Como etc.zu belegen ist; der Meister, welcher sich hier vielleicht zum erstenMal darauf einlässt, sollte später dieselbe Anlage in viel höheremSinne an der Consolazione zu Todi und an S. Peter in Rom wie-dergeben.
a Ebenfalls früh ist S. Satiro in Mailand ; die Kirche nicht ohneverwirrende neuere Ausschmückung, die achteckige Sacristei da-gegeWTuntcn mit Nischen, oben mit einer Galerie, im mittlern FriesPutten und Medaillons) ein köstlicher wohlerhaltener Bau, der Cro-naca’s berühmter Sacristei (S. 189, b) zwar niclit an reiner Eleganz de sDetails gleichkommt, sie aber an Strenge und Bedeutung übertrifft.
1 ) An S. Eustorgio wird die Kuppel einer Capelle (ich weiss nicht,cwelcher) dem Bramante zugeschrieben, im grossen Hospital der Hof(1 rechts vom Haupthof, im Ospedale militare das alte Gebäude iiber-ehaupt, im Kloster von S. Ambrogio einer der Seitenhöfe. Die be-treffenden Gebäude sind zum Theil als Casernen schwer zugänglich;an S. Ambrogio habe ich nur das sehr schöne Fragment einer schlan-ken Hof halle links neben der Kirche im Gedäclitniss; den Abbildungenzufolge müssten rechts zwei prachtvolle Renaissancehöfe vorhanden
Hauptkirche; — in Canobbio am Lago maggiorc: eine Kirche; — in Lodi :die Incoronata; — in Pavia : die ehemalige Klosterkirche Canepanova undder (doch nur von ihm fiindamcntirtc) Dom. — Weiter nach Südosten : derDom zu Carpi, von Andern dem Peruzzi zugeschrieben.