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Zweyter Band.
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405
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uͤber die Geſchichte von England. 405

ganz Europa bekannt. Auſſer dem innerlichen Werth des Werks, prles es ſich auchdurch ſeine urſpruͤngliche Verbindung mit der Stadt Rom an, welche, als der Sitz ihrerReligion, dadurch einen neuen Glanz und mehr Anſehen erhielt, daß ſie ihre Geſetzeuͤber den Oceident ausbreitete. In weniger als zehn Jahren nach, der Entdeckung derPandecten las Vacarius, unter dem Schutz des Theobald, Erzbiſchafs von Canterbury auf der Univerſitaͤt Oxford , oͤffentlich uͤber das buͤrgerliche. Recht; und die Geiſtlichen wa-ren es, welche durch ihr Beyſpiel und ihre Ermunterung dieſer neuen Wiſſenſchaft diegroͤßte Hochachtung verſchafften. Dieſe Leute, welche große Güͤter zu verteidigen hatten,waren gewiſſermaßen gezwungen, ſich auf das Recht zu: legen; und da ihre Guͤter oftmalsdbürch die Gewalt der Prinzen und Baronen in Gefahr geriethen, ſo wurde es ihr Intereſſe, die Beobachtung allgemeiner und biſſiger Regeln einzuſchaͤrfen, weil ſie von dieſenallein Schutz erwarten konnten. Da ſie alle Gelehrſamkeit der Zeit beſaßen, und alleinzu denken gewohnet waren; ſo fiel ſo wohl die Wiſſenſchaft als Ausuͤbung des Rechtsmehrentheils ihnen zu: Und obgleich die genaue Verbindung, welche ſie ohne Noth zwi-ſchen dem geiſtlichen und weltlichen Rechte machten, bey den Layen in England Eiferſuchterregte, und verhinderte, daß das roͤmiſch⸗ Recht nicht ſo wie in vielen andern europaͤiſchen Staaten das Landgeſetz wurde; ſo wurde doch ein großer Theil deſſelben in den Gerichts.hoͤſen eingeſuͤhret, und die Nachahmung ihrer Nachbaren machte, daß ſich die Englaͤn-der bemuͤhten, ihr eignes Recht aus ſeiner urſpruͤnglichen Grobheit und Unvollkommenheitzu ziehen.

Es iſt leicht einzuſehen, welche Vortheile Europa daraus gezogen habe, daß es vonden Alten eine ſo vollkommue Wiſſenſchaft erbte, welche allen andern Kuͤnſten zur Sicher-heit ſo nothwendkg war, und welche dadurch, daß ſie die Urtheilskraſt ſchaͤrfte, und nochmehr, daß ſie derſelben Gruͤndlichkeit gab, zu einem Muſter mehrerer Verbeſſerungendiente. Der offenbare Nutzen des roͤmiſchen Rechtes in offentlichen und privat Angelegen-heiten, empfahl das Studium deſſelben noch mehr zu einer Zeit, da die hoͤhern und ſpe-culativiſchen Wiſſenſchaſten keine Reize hatten; und ſolchergeſtalt war der letzte Zweig deralten Gelehrſamkeit, welcher unverſehrt blieb, zum Gluͤck der erſte, der auſ die neuereWelt kam. Denn es iſt merkwuͤrdig, daß bey dem Verfall der roͤmiſchen Gelehrſamkeit,da die Philoſophen von Aberglauben und von Sophiſterey, und die Dichter und Geſchicht.ſchreiber von Barbariſmen angeſtecket waren, die Rechtsgelehrten, welche in andern Laͤn-dern ſelten Muſter der Gelehrſamkeit und Politeſſe ſind, dennoch durch einen beſtaͤndigenFleiß und eine genaue Nachahmung ihrer Vorgaͤnger im Stande geweſen ſind, dieſelbegeſunde Vernunft in ihren Entſcheidungen und Vernunſtſchluͤſſen, und dieſelbe Reinig-keit in ihrer Sprache und ihren Ausdruͤcken zu behalten.

Was dem buͤrgerlichen Rechte noch ein groͤßeres Verdienſt gab, war die große Un-bekanntſchaft und Unvollkommenheit derjenigen Rechtsgelehrſamkeit; welche vor jener beyallen europaͤiſchen Nationen, und insbeſondre bey den Sachſen oder alten Engkaͤndernherrſchte. Was fuͤr Ungereimtheiten damals in der Verwaltung der Gerechtigkeit herrſch.ten, kann man aus den Ueberbleibſeln des alten ſaͤchſiſchen Rechtes abnehmen; nach wel-chem fuͤr jedes Verbrechen eine Geldhuße angenommen wurde, in welchem feſtgeſetztePreiſe fuͤr das Leben und die Gliedmaßen eines Menſchen beſtimmt, nach welchem dieSelbſtrache wegen aller Beleidigungen erlaubt; nach welchem die Feuerprobe und nachherder Zweykampf eingeſuͤhrte Arten des Beweiſes, und nach welchem bauriſche Freyſaſſendie Richter waren, welche ploͤtzlich verſammlet wurden, und eine Sache nach dem Vortra-ge, oder vielmehr nach dem Gezaͤnke der Partenen entſchieden. Ein folcher Zuſtand der

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