406 Allgemeine Anmerkungen
menſchlichen Geſellſchaſt iſt wenig beſſer, als der rohe Stand der Natur: Gewalt herr-ſchete uberall, ſtatt allgemeiner und billiger Regeln: Die vermeinte Freyheit der Zeitenwar bloß ein Unvermoͤgen, ſich der Regierung unterwerfen zu koͤnnen. Und Leute, derenLeben und Guͤter nicht durch das Recht geſchuͤtzet wurden, ſuchten, nach ihrer perſoͤnli ·chen Knechtſchaft und Zuneigung, Schutz unter einem maͤchtigen Obern, oder in willkuͤhr—
lichen Verbindungen.
Die ſtuſenweiſe Zunahme der Verbeſſerung erhob die Europaͤer etwas aus dieſemunausgebeſſerten Zuſtande; und die Sachen nahmen, beſonders in dleſer Inſel, eine Wen.dung, welche der Gerechtigkeit und Freyheit guͤnſtig war. Civil. Bedienungen und Aem-ter kamen bey den Englaͤndern bald in Anſehen: Die Lage dieſer Nation machte eine beſtaͤn-dige Aufmerkſamkeit auf Kriege nicht ſo nothwendig, als bey ihren Nachbaren, und alle Achtung ſchraͤnkte ſich auf den Kriegsſtand nicht allein ein. Der kleine und ſelbſt der großeAdel machte ſich mit dem Rechte, als einem nothwendigen Theile des Unterrichtes be-kannt: Sie wurden von dieſer Art des Studirens durch andre Wiſſenſchaften weniger,als nachher abgehalten; und Forteſcue erzaͤhlet, daß ſich zur Zeit Heinrichs des Sechſtenuber zweytauſend Studenten, mehrenth ils deute von Stande, in den Coſlegien der Juri-ſten befunden, die ſich auf dieſen Theil der Gelehrſamkeit legten. Ein Umſtand, welcher beweiſet, daß man in der Regierungskunſt ſchon einen großen Fortgang gemacht
hatte, und einen noch groͤßern verſprach.
5 Ein ſehr wichtiger Vortheil, der aus der Einführung und dem Fertgange der Kuͤnſteentſtund, war die Einfuhrung und der Fortgeng der Freren ; und dieſe Folge intereßirte
die deute ſowohl in ihren perſoͤnlichen als burg cg.Wenn wir den alten Zuſtand von Europ, daß der groͤßteTheil der Einwohner ihrer perſoͤnlichen Free.., and gaͤnziich nach dem
Willen ihrer Herren lebte. Ein jeder, der nicht von Abet war, war ein Sklav: DieBauern wurden mit den Ländern verkauft: Die wenigen Einwohner der Staͤdte waren inkeinem beſſern Zuſtande: Sogar der kleine Adel war den großen Baronen, oder erſtenVaſallen der Krone unterworfen; die dem Anſehen nach zwar in einem glaͤnzende. Zu—ſtande lebten, dech, da ſie von den Geſetzen nicht viel Schutz hatten, einem jeden Ungewitterdes Staates ausgeſetzt waren, und durch den ungewiſſen Zuſtand, worinn ſie lebten, dieGewalt, ihre Untergebene zu unterdruͤcken und grauſam zu behandeln, theuer bezahlen muß-ten. Der erſte Zufall, welcher dieſer gewaltſamen Regierungsform ſchadete, war die inFrankreich angefangene Errichtung gewiſſer Geſellſchaften und Gemeinen, welche mit Vor-rechten und einem beſondern Landrechte verſehen waren, die ſie wider die Tyranney der Ba-ronen ſchuͤtzten, und die der Prinz ſelbſt ſuͤe gut fand in Ehren zu halten). Die Auſhe-bung der Lehnsguͤter, und eine etwas genauere Ausuͤbung des oͤffentlichen Rechtes gab denVaſallen eine Unabhaͤnglichkeit, welche ihren Vor vaͤtern unbekannt war. Und die Land-
2) Man findet fruͤhzeitig Merkmaale davon,daß die Baronen auf die Aufnahme der Kuͤnſte,welche fuͤr ihre unmaͤßige Gewalt ſo verderblichwar, eiferſuͤchtig geweſen. Es wurde durch einGeſetz verboten 7 Henr. IV. Cap. 1, daß nie-mand, der nicht jaͤhrlich zwanzig Schilling anLand beſaͤße, ſeine Soͤhne die Handlung lernenlaſſen ſollte. Man fand, daß die Staͤdte ſchonanfiengen, den Bauern und Landleuten ihr Land
leute
abzunehmen; und man ſah nicht ein, wie ſehrdie Zunahme der Handiung den Werth der Laͤnderſteigern wuͤrde. Siehe Cotton. S. 17. Der Koͤ-nig gab den Doͤrfern, um ſie aufzumuntern, diefeFreybeit, daß jeder Sklave, der ein Jahr inirgend einer Gemeine gelebet hatte, und einMittglied der Zunft geweſen, kuͤnftig fuͤr fleizangeſehen werden ſollte.