Band 
Zweyter Band.
Seite
408
JPEG-Download
 

408 Allgemeine Anmerkungen uͤber die Geſchichte von England.

und insbeſondre nach der Aufhebung der Heptarchie, machte die Groͤße des Reichs einegroße Ungleichheit des Eigenthums: und das Uebergewicht ſcheint ſich auf die Seite derAriſtocratie geneigt zu haben. Die Eroberung der Normaͤnner gab dem Monarchen mehrGewalt, welche jedoch eine große Einſchraͤnkung zuließ; die zwar nicht ſo ſehr aus der all-gemeinen Staatverfaſſung, welche unrichtig und unregelmaͤßig war, als aus der Unab-haͤnglichkeit der Macht eines jeden Barons in ſeiner Gegend oder Provinz herruͤhrte.Der große Freybrief brachte die Ariſtocratie noch hoͤher, ſetzte der koͤniglichen Gewalt re-gelmaͤßige Graͤnzen, und fuͤhrte nach und nach eine gewiſſe Miſchung der Democratie indie Staatsverfaſſung ein. Allein ſelbſt während dieſes Zeitpunktes von der Thronbeſteigung Eduards des Erſten, bis an den Tod Richards des Dritten, war der Zuſtand derGemeinen keinesweges erwuͤnſcht; es herrſchte eine Art von polniſcher Ariſtoeratie; undobgleich der Koͤnig eingeſchraͤnkt war, ſo waͤr das Volk doch bey weiten nicht ſrey. Dieunumſchraͤnkte Gewalt der Koͤnige, welche in dem folgenden Zeitpunkte regierten, war er-forderlich, um dieſe unordentlichen uno ausgelaſſen Tyrannen, die dem Frieden und derFreyheit feind waren, zu unterdruͤcken, und diejenige ordentliche Ausuͤbung der Geſetzeeinzuſuͤhren, welche das Volk in den folgenden. Zeiten in den Stand ſetzte, einen ordent ·lichen und billigen Entwurf der Freyheit zu Stande zu bringen..

In einer jeden dieſer auf einander folgenden Veranderungen iſt die einzige Regel,welche verſtaͤndlich iſt, oder eine Authoritaͤt hat, die eingefuͤhrte Gewohnheit der Zeit unddie Regierungsmaxime, welche damals herrichten und uberall gaften. Diejenigen, wel“che, aus einer vorgeblichen Hochachtung kur das. Alterthum, ſich bey jedem Vorfall aufeinen urſprüͤnglichen Plan der Staatsverfaſſung berufen, verbergen ihren aufruͤhriſchenGeiſt und ihren privat Stolz nur unter einer ehrwürdigen Geſtalt; und ſie moͤgen einenZeitpunkt zum Muſter nehmen, weichen ſie wollen, ſo kann man ſie noch immer auf eineältere Zeit vermeiſen, wo ſie ganz verfchiedne Muaßregeln der Gewalt finden werden, undwo jeder Umſtand wegen der groͤßern Barbätey der Zeiten, immer weniger nachahmungs-würdig ſcheinen wird. Eine eivlliſirte Nation, wie die Engliſche, die gluͤcklicher Welſe dasvollkommenſte und richtigſte Syſtem der Freyheit eingefuͤhret hat, welches ſich nur immer miteiner Regierung vertragen kann, muß vor allen Dingen vorſichtig ſeyn, wenn Aich auf dieGebrauche ihrer Vorfahren berufet, oder wenn ſie die Maximen roher 3 900 fuͤr ge-wiſſe Regeln ihres gegenwaͤrtigen Betragens anſehen will. Eitie Kenntniß erGeſchichtevon den entfernteſten Jeikaltern ihrer Regierung iſt. insbeſendrz deswegen nüglich, weilſie daraus ihre gegenwaͤrtige Staatsverfaſſung, durch eine Vergleichung mit dem Zuſtan-de jener entfernter Zeiten, recht zu ſchaͤtzen lernet. Und ſie iſt nicht weniger deswegen der.Erlernung wuͤrdig, weil ſie uns die entfernten und gemeiniglich entſtellten. Urbilderder vollkommenſten und vortrefflichſten Einrichtungen zeiget, und uns lehret, wie man-

nichſaltige Zufaͤlle, gemeiniglich mit wenig Weisheit und Vorausſehung vermiſcht,zuſammenlaufen, um das verwickelte Gebaͤude der vollkommenſtenN Regierung aufzurichten.

E N DE.

*