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Zweyter Band.
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uͤber die Seſchichte von England. 407

leute ſelbſt entriſſen ſich, obgleich ſpaͤter, den Banden der Leibeigenſchaft und Sklaverey,worinn ſie bisher waren eingeſchloſſen geweſen.

Es iſt ſonderbar, daß das Wachsthum der Kuͤnſte, welches die Zahl der Sklavenbey den Griechen und Roͤmern taͤglich vermehrte zu haben ſcheinet, in den neuern Zeiteneine Quelle der Freyheit geworden iſt: Allein dieſe Verſchiedenheit der Begebenheiten ruͤhrtaus einer großen Verſchiedenheit der Umſtaͤnde her, welche mit dieſen Einrichtungen ver-bunden waren. Die alten Baronen waren genöthiget; ſich immer in einer kriegriſchenVerfaſſung zu erhalten, und um Zierlichkeit und Pracht wenig bekuͤmmert, brauchten ſieihre Leute nicht zu Bedienten des Hauſes, vielweniger zu Manufacturen, ſondern ihr Ge-folge beſtund aus Freyleuten, deren kriegriſches Genie ihren Oberſten ſeinen Nachbarenfuͤrchterlich machte, und welche bereit waren, ihn in jeder kriegriſchen Unternehmung zubegleiten. Die Knechte waren gaͤnzlich mit dem Ackerbau ihres Herrn beſchaͤfftiget, undzahlten ihre Abgaben entweder in Korn, Vieh und andern Feldfruͤchten, oder durch Hof-bediente, welche ſie der Familie ihres Herrn und auf den Meyerhoͤfen, die er ſelbſt beſaß,leiſteten. So wie der Ackerbau zunahm, und das Geld vermehrt wurde, fand man, daßdieſe Dienſte ihrem Herrn wenig nutzten, ob ſie gleich den Leuten ſelbſt ſehr zur Laſt fielen:und daß die Fruͤchte eines großen Gutes welt bequemer von dem Landmann ſelbſt, der esbearbeitete, verkaufet werden konnten, als von dem Herrn des Landes oder ſeinem Ver-walter, welche ſie ſonſt einnahmen. Daher nahm der Herr fuͤr Dienſte Fruͤchte, undnachher fuͤr dieſe Fruͤchte Geld; und da man in den folgenden Zeiten entdeckte, daß dieMeyerhoͤſe beſſer bebauet wuͤrden, wenn der Pachter einen ſichern Beſitz hatte, ſo kamdie Gewohnheit auf, ſie den Beſitzern zu verpachten, welche die Bande der Knechtſchaſt,die vorher ſchon geloͤſet waren, gaͤnzlich zerbrach. So kam die Leibeigenſchaft in allen ge.beſſerten Theilen von Europa nach und nach ab: Das Intereſſe des Herrn ſowohl, alsdes Sklaven, trug zu dieſer Veraͤnderung bey. Die letzten Geſetze, welche zur Beſtaͤti-gung und Einrichtung dieſer Art von Knechtſchaſt in England gegeben ſind, finden wirunter der Regierung Heinrichs des Siebenten. Und obgleich die alten Statuten hieruͤberniemals vom Parlament widerrufen ſind, ſo erhellet doch, daß der Unterſchied zwiſcheneinem Sklaven und Freymann, vor dee Reglerung der Eliſabeth, gaͤnzlich, obgleich unvermerkt, abgeſchaffet war, und daß keiner ſich mehr in dem Zuſtande befand, auf welchen die vorigen Geſetze angewendet werden konnten.

Solchergeſtalt wurde die perſoͤnliche Freyheit in Europa faſt ganz allgemein; einVortheil, der den Weg zur Vermehrung der buͤrgerlichen oder politiſchen Freyheitbahnte, und der, wenn er auch dieſe heilſame Wirkung nicht gehabt haͤtte, doch dazudigen den Mittgliedern der Geſellſchaft einige der betraͤchtlichſten Vortheile derſelben zugeben.Die engliſche Staatsverfaſſung kann ſich ruͤhmen, daß kein Monarch, von dem Ein.falle der Sachſen in dieſe Inſel an, jemals unumſchraͤnkt und ſouverain geweſen: Alleinin andern Abſichten muß man geſtehen, daß das Gleichgewicht der Macht unter den ver-ſchiednen Staͤnden des Staats ſehr abgewechſelt habe: und daß dieſes Gebaͤude dieſelbeVeraͤnderlichkeit erfahren habe, welche mit allen menſchlichen Werken verbunden iſt.

Unterdeſſen ſcheinen die alten Sachſen, ſo wie die ubrigen deutſchen Nationen, wo-ven ein jeder unter den Waffen erzogen, und wo die Unabhaͤuglichkeit der Leute durch einegroße Gleichheit des Beſitzes geſichert war, ziemlich viel von der Democratie in ihrerStaatsverfaſſung gehabt zu haben, und eins der freyeſten Voͤlker geweſen zu ſeyn, wovon

wir in der Geſchichte Nachricht finden. Nach der Niederlaſſung dieſes Volks in England,und

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