60 Geſchichte von England.
— Die Regierung Heinrichs des ſiebenden war, uͤberhaupt zu reden, fuͤr ſein Volk1509. gluͤcklich von innen, und ruhmvoll von außen. Er machte den buͤrgerlichen Kriegen,
alnr Chara⸗ unter denen die Nation ſo lange geſeufzet hatte, ein Ende, verſchafte dem Staateer.
Friede und Ordnung, ſetzte die vormalige uͤbertriebene Gewalt des Adels herunter, und
erwarb ſich wie bey auswaͤrtigen Fuͤrſten Liebe und Freundſchaft, ſo bey jedermanAchtung und Anſehen. Er liebte den Frieden, ohne den Krieg zu fuͤrchten; und ober gleich durch ſein Mistrauen gegen ſeine eigene Leute und Miniſter in beſtaͤndigerUuruhe war, ſo ließ er doch, weder in der Ausfuhrung ſeiner Angelegenheiten, nochan dem Tage einer Schlacht, keine Furcht blicken; ob er gleich auch oft hart war inſeinen Beſtrafungen, ließ er ſich dabey gleichwohl gemeiniglich nicht ſo wohl durchRachſucht, als durch Grundſätze der Staatsklugheit leiten. Das Gute, ſo er ſei-nem Volke erwieß, hatte mehr ſeinen Grund in ſeinen Abſichten fuͤr ſein eigenes Isatereſſe, als in einem Triebe fuͤr das gemeine Beſte; und wenn er auch von dieſer Ruͤck-ſicht auf ſein eigenes Beſtes abwich; ſo wußte er es ſelbſt nicht, und es geſchahe im-mer entweder aus boͤrartigen Vorurtheiled des Partheygeiſtes, oder aus unverſtaͤn—digen Projecten des Geitzes, nicht aus ſchnellen Leidenſchaften oder Reitzungen derWolluſt, noch weniger aber aus einigen edlen Gründen der Freundſchaft und Groß—muth. Seine Fahigkeit war vortreflich, doch wurde ſie durch ſein enges Herz in et-was eingeſchraͤnkt. Er hatte was Angenehmes und Anſtändiges, bediente ſich aberdieſer Gaben niemals, als wenn ein ſehr wichtiger Vortheil dadurch gewonnen wer-den konnte; und weil er es verabſaͤumte, ſich die Liebe ſeines Volks zu erwerben, ſofühlte er oft, wie gefaͤhrlich es ſey, daß ſein Anſehen ſich blos allein auf Furcht undEhrerbietung gruͤnde. Er war immer außerſt aufmerkſam auf ſeine Angelegenheiten,beſaß aber die Gabe nicht, weit in die Zukunft hinein zu ſehen, und hatte mehr Ge-ſchicklichkeit, Mittel zu erfinden, ſeine Fehltritte zu verbeſſern, als Veurtheilungs-kraft, ſie zu vermeiden. Der Geitz war uberhaupt ſeine herrſchende Leidenſchaft“);und er kann mit Recht als ein ganz ſonderbares Beyſpiel betrachtet werden, daß auchbey ſolchen, die in den erhabenſten Stellen ſind, und die groͤßten Gaben haben, dieſeLeidenſchaft dennoch ſtaͤrker, als die Ehrſucht ſeyn koͤnne. So gar unter Privat-perſonen iſt der Geitz gemeiniglich nichts, als eine Art von Ehrſucht, und wird durchBetrachtung der Ehre, des Anſehens, der Achtung, die aus dem Beſttz des Reich-
thums entſpringen, vornemlich angefeuret.
Die Gewalt der Könige von England iſt jederzeit in etwas unregelmaͤßig undwillkührlich, aber wohl niemals ſo unumſchraͤnkt geweſen, als unter Heinrichs Re-gierung. Außer ſeinem perſoͤnlichen Character, nach welchem er muthig; geſchaͤftig,ſtrengt, entſchloſſen bey jedem Vorhaben, ſtandhaft bey allen Entſchließungen, und
in
7) Zu einem Beweiſe, wie aufmerkſam Hein—rich auch auf einen kleinen Gewinn geweſen,erzaͤhlt uns Baco, er habe ein Rechnungsre—giſter geſehen, das Empſon gehalten, dasfaſt auf jeder Seite von des Koͤnias eigenerHand unterzeichnet geweſen. Unter andernArtickeln befand ſich auch nachfolgend:„Item, Empfangen von N. N. fuͤnf Mark fuͤr
„eine Begnadigung; wenn dieſe aber nicht be-„ williget wird, muß das Geld wieder zuruͤck—„gegeben, oder auf andre Art verguͤtet werden.“Auf der gegenuͤberſtehenden Seite dieſes Ta-ſchenbuchs hatte der Koͤnig mit eigener Handgeſchrieben:„auf andre Art vergütet.“ Va-con S. 630.