Band 
Dritter Band.
Seite
67
JPEG-Download
 

Heinrich der Siebende. Cap. III. 67

Staatsklugheit gemacht hat, mehr Ruhm erworben, als ſeine Anſchlaͤge und Einrich-tungen, in ſo ferne man ſolche als Wuͤrkungen einer tiefen Einſicht betrachten wollte,in genauem Verſtande zu reden, an ſich ſelbſt zu verdienen ſcheinen.

Es kam blos von einem Zufall her, daß der König an den großen Entdeckungenzur See, wodurch ſich das damalige Zeitalter ſo ſehr hervor that, nicht auch einenbetraͤchtlichen Antheil gehabt hat. Columbus hatte, nachdem er von den Hoͤfen inPortugall und Spanien oft abgewieſen war, ſeinen Bruder Bartholomaͤus nachEngland geſchickt, um ſein Vorhaben dem Koͤnig Seinrich bekannt zu machen, undſeinen Beyſtand zu der Ausfuͤhrung deſſelben zu erbitten. Heinrich ladete ihn nachEngland ein; allein ſein Bruder wurde bey ſeiner Ruͤckreiſe nach Spanien von denSeeraͤubern gefangen, und kam dager ſehr ſpaͤt zuruͤcke, da mittlerweile Columbusden Beyſtand der Iſabella erhalten, eine kleine Flotte ausgeruͤſtet, und ſeine Unter.nehmung glücklich vollſogen hatte. Heinrich ließ darüber, daß ihm dieſes fehlgeſchlagen, den Muth nicht ſinken. Er ruͤſtete den Sebaſtian Cabot , einen Vene-tianer, der ſich in Briſtol niedergelaſſen hatte, zu einer Unternehmung aus, undſchickte ihn im Jahre 1498. in die weſtlichen Gegenden, um neue Lander zu entdecken.Cabot entdeckte das feſte Land von America gegetz dem ſechzigſten Grad noͤrdlicherBreite; worauf er ſuͤdwaͤrts langſt der Küͤſte ſeegelte, und Neufoundland nebſt andern

Landern entdeckte. Allein er ging nach England zuruͤcke, ohne eine Eroberung zu

machen, oder eine Colonie zu errichten. Elliot und andere Kaufleute von Briſtol machten im Jahre 1502.) einen gleichmaͤßigen Verſuch. Der Koͤnig verwendetevierzehen tauſend Pfund auf die Erbauung eines Schiffes, das der große Harry!(oder große Heinrich) genennt wurde. Dieſes war im eigentlichen Verſtande das erſteSchiff von der engliſchen Seemacht. Vor dieſer Zeit hatte der Fuͤrſt, wenn er eineFlotte noͤthig hatte, kein anderes Mittel, als ſich Schiffe von den Kaufleuten zumiethen.

Ungeachtet aber dieſe Verbeſſerung der Schiffarth, und die Entdeckung der bey-den Indien , der wichtigſte Vorfall war, der ſich in dieſem oder irgend einem andernZeitlauf ereigner hatte: ſo war dieſes doch nicht die einige große Begebenheit wodurchſich das Jahrhundert merkwürdig gemacht. Im Jahr 1453. war Conſtantinopelvon den Tuͤrken eingenommen worden, und da die Griechen, unter welchen ſich immernoch einige Uleberbleibſel von Gelehrſamkeit befanden, durch dieſe Barbaren zerſtreutwurden, ſo nahmen ſie ihre Zuflucht nach Italien , und brachten außer ihrer vortref-flichen Sprache, auch einige Keuntniß der Wiſſenſchaften, und ihren feinen Geſchmackin der Dichtkunſt und Beredſamkeit mit. Faſt zu gleicher Zeit lebte auch die Reinig-keit der lateiniſchen Sprache wieder auf; es wurde Mode, daß man ſich auf die Alter.chuͤmer legte, und die Hochachtung fuͤr die Gelehrſamkeit breitete ſich ſtuffenweiſe beyallen europaͤiſchen Natienen aus. Die Buchdruckerkunſt, ſo zu gleicher Zeit erfun-den worden, erleichterte den Fortgang aller dieſer Verbeſſerungen ganz ausnehmend;die Erfindung des Pulvers veränderte die ganze Kriegskunſt; bald hernach wurdenauch große Neuerungen in der Religion vorgenommen, die nicht nur in die Staaten,welche die Religionsveraͤnderung annahmen, ſondern auch ſo gar in diejenigen einenEinfluß hatten, die den alten Glauben und Gottesdienſt beybehielten. Und auf 10K

J 2

*) Rymer Vol. XIII. p. 37. N) Stowe p. 484.

*

1.509.