Heinrich der Achte. Cap. J. 71
Ehre in die gerechte Austzeilung der Belohnung und Strafe gefetzt, und die erſte fuͤ ndiejenigen beſtimnet, welche die Geſetze beobachteten, und guͤltig machten, die letzte 1509.aber für die, welche ſie beleidigten und uͤbertraͤten; und man koͤnnte erwarten, daß
alle Regierung auf einmal uber den Haufen fallen wuͤrde, ſo bald man die Richter N
der Gnade der Straſwuͤrdigen, und die Regenten der Gnade der Unterthanen uͤber-
laſſen wollte s).
Dieſer Verantwortung ungeachtet, wurden Empſon und Dudley nach demTower geſchickt, und hernach ins Verhoͤr gezogen. Die genaue Ausuͤbung der Ge-ſetze, ſo veraltet ſie immer ſeyn mochten, konnte ihnen in einem Gerichtshofe fuͤr keinVerbrechen angerechnet werden; und es iſt zu vermuthen, daß der Koͤnig nicht geneigtwar, ihre Aufführung ſelbſt in denen Stuͤcken, worin ſie eine willkuͤhrliche Gewaltausgeuͤbt hatten, gar zu ſtrenge unterſuchen zu laſſen; weil ſie nach geheimen Befeh-len ſeines Vaters gehandelt hatten. Um alſo das Volk durch die Beſtrafung dieſerverbaßten Miniſter zu befriedigen, wurden ihnen ſehr unwahrſcheinliche, oder viel-mehr ganz unmoͤgliche Verbrechen ſchuld gegeben: daß ſie nemlich eine Ver ſchwoͤrungwider den Koͤnig angeſtifter, und bey dem Tode des vorigen Monarchen die Abſichtgebabt hatten, ſich mie Gewalt der Regierung zu bemächtigen. Die Geſchwornenließen ſich durch die Vorurtheile des Volks, und durch den Einfluß des Hofes ſo ſehreinnehmen, daß ſie ein Urtheil wider ſie abfaſſten, welches nachmals, durch eine Billdes Parlements, beſtaͤtiget), und auf ernſtliches Anhalten des Volks, nach koͤnigli-chem Befehle vollzogen wurde. So wurde in diefen eigenwilligen Zeiten die Gerech-tigkeit in beyden Faͤllen gleich ſehr beleidiget, der Koͤnig mochte nach Gewalt undReichthuͤmern trachten, oder ſich um die Gunſt des Volks bewerben.
Indem der Koͤnig die Werkzeuge der vormaligen Tyranney beſtrafte, hatte erdoch noch ſo vlel Achtung fuͤr die vormalige Verbindung, daß er gleich nach ſeinerThronbeſteigung die Vollziehung ſeiner Vermaͤhlung mit der Infantin Catharina,mit welcher er bey Lebzeiten ſeines Vaters verſprochen war, in Ueberlegung nahm.„Ihre erſte Ehe mit ſeinem Bruder, und die Ungleichheit ihrer Jahre, waren die vor— dig Kengenehmſten Einwuͤrfe, welche wider dieſe Vermaͤhlung gemacht wurden. Dagegen ſtell⸗ des Kenigs.te man auch die Vortheile vor, ihre bekannte Tugend, Beſcheidenheit, und ſanfte Ge—muͤthsart; die Liebe, die ſie fuͤr den Konig hatte, den großen Brautſchatz, den ſie alsPrinzeſſin von Wallis fodern konnte; den Nutzen, daß man durch ſie eine genaueVerbindung mit Spanien ſtiften wurde; die Nothwendigkeit, daß man irgend einenVundsgenoſſen haben mußte, um der Macht von Frankreich ein Gegengewicht zu ge-ben; und die Schicklichkeit, das Verſprechen des vorigen Koͤniges zu erfuͤllen. 5dieſe
2) Herbert, Hollingſhed, p. gog. den zu Koſten und Schadloshaltungen verur-
b Dieses theiltt, wenn die Beklagten frey geſprochen
N Dieſes Parlement verſammlete ſich den wurden. Auf den Meineyd wurden haͤrtere21ten Januar 1510. Es wurde ein Geſetz ge⸗ Strafen geſetzt: Die falſchen von Empſongebe, um einige Misbräuche abzuſchafſen, und Dudley veranlaßten Inquiſitionen wur-bebe unter der vorigen Reeg erung geherrſcht den für null und nicheig erkläect: Gezenvor-hatten. Die Couftſcation nach den peinlichen ſtellungen wurden erlaubt, und die Zeir, wor-Verorduungen wurde auf einen Termin bon in ſie eingegeden werden konnten, verlaͤngert.drey Jahren eingeſchraͤnkt.„Die Klaͤger wur⸗ 1. II. 8. c. 8. 10. 11. 12.