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Dritter Band.
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Heinrich der Achte. Cap. II. 99

len zu leben, ſo ging er nach Frankreich , und wurde daſelbſt fünf Jahr lang aufge-halten. Einen großen Theil ſeiner Macht hatte er den Händen des Darcy, eines Fran⸗ 1515.zoſen, anvertrauet, den er zum Oberaufſeher der Graͤnzen ernannt hatte, und der ſehrwachſam war, in der Handhabung der Gerechtigkeit, und in der Beſtrafung der Ver-brechen und Unterdruͤckung. Aber Sir David Hume , ein Verwandter des neulichhingerichteten Edelmanns, wollte den Tod ſeines Freundes an dem Freunde ſeinesRegenten raͤchen; und da er dem Darcy bey Dunſe begegnete, warf er ihm dieſeHinrichtung vor, end grif ihn an. Weil Darcy ſich zu ſchwach fand, ihm zu wi-derſtehen, und ſich auf die Geſchwindigkeit ſeines Pferdes verließ, ſo flohe er nach Dun-bar; da ihm aber der Weg nicht bekannt war, ritte er in einen Moraſt, wurde vonden Verfolgern eiugehohlet, und getoͤdtet. Da er langes fliegendes Haar trug, ſoſchnitte ume, der uͤber dieſen Mord, als uͤber eine Heldenthat frohlockte, dieſe Lo-cken ab, flochte ſie zuſammen, und trug ſie nachmals beſtaͤndig an ſeinem Sattelkno-pfe b). Waͤhrend der Abweſenheit des Regenten nahmen in Schottland ſolche Ver-wirrungen uͤberhand, und es riſſen ſolche wechſelſeitige Feindſchaften, Raͤubereyen undGewaltthͤtigkeiten unter den großen Familien ein, daß das Koͤnigreich lange Zeitganzlich außer Stande war, ſeine Feinde zu beleidigen, oder ſeinen Freunden beyzuſte-hen. Wir haben die Schottlaͤndiſche Geſchichte ctliche Jahre uͤber den gege, waͤrtigen Zeitpunct hinausgefuͤhret; damit wir, weil dieſes Land mit dem allgemeinen Sy-ſtem von Europa wenig Verbindung hatte, uns deſto weniger in der Erzaͤhlung derje-nigen wichtigen Begebenheiten aufhalten duͤrfen, welche in andern Koͤnigreichen vorgingen. NManu ſahe voraus, daß ein junger thaͤtiger Prinz, wie Franciscus war, derzugleich eine ſo kriegeriſche Gemuͤthsart beſaß, die großen Zurüſtungen, welche ſeinVorgaͤnger vor ſeinem Tode gemacht hatte, um Mahland zu erobern, bald anwendenwuͤrde. Man hatte bemerkt, daß er ſogar bey der Erzaͤhlung der Heldenthaten desGaſton de Joir geweinet hatte; und dieſe Thränen der Nacheiferung wurden fuͤrſichere Vorzeichen ſeiner kuͤnftigen Tapferkeit gehalten. Er erneurte den Tractat, denLudwig mit beu Heinrich gemacht hat e; und weil er, ſeiner Meinung nach, allesin Sicherheit zuruͤckgelaſſen hatte; ſo ruͤckte er mit ſeiner Armee gegen die ſuͤdlichenLänder von Frankreich an; und gab vor, ſeine einzige Abſicht waͤre, ſein Königreichwider die Schweitzer zu ſchuͤtzen. Dieſes maͤchtige Volk blieb noch immer in ſeinerFeindschaft gegen Frankreich ; und nachdem es Maximilian, den Herzog von May-land, unter ſeinen Schntz genommen, und ihn in der That zu einer gänzlichen Abhaͤn-gigkeit gebracht botte, ſo war es theils aus Betrachtungen der Ehe, theils des In-tereſſes entſchloſſen, ihn wider dieſen Feind zu ſchuͤtzen). Die Schweitzer verſtaͤrk-ten ſich mit zahlreichen Truppen in denen Thaͤlern der Alpen , durch welche ihrer Mei-nung nach die Franzoſen nothwendig marſchiten mußten; und als Franciscus mitgroßer Geheimhaltung, Geſchroindigkeit und Geduld durch einen andern Weg in Pie⸗ ortemont einbrach, ließen ſie deswegen den Muth nicht ſinken, ſondern zogen ſich ins plat⸗ dec eren.te Land herab, ob ſie gleich mit keiner Reuterey verſehen waren, und widerſetzten ſich 13. Septdem Marſche der Franzoſen . Zu Marignan bey Mayland lieferten ſie dem Sran⸗ 3 öN 2 ciscush) Buchanau, lib. 14. Pitſcottie. i) Memoires du Bellai, lib. 1. Culcciar-dini, Iib. 12.