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2 (1763) Das gemeine Wesen und die Regierungen Carls II. und Jakobs II / David Hume
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35
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Das gemeine Wesen. Kap. i. z;

Schottländer, welche sich von der Tiranney der Kkrchenvorsteher befrcyet sahen, waren k-^->

mit der gegenwärtigen Regierung nicht sehr unzufrieden *)- Die kluge Aufführung des 1651.

Monk, eines Mannes, welcher sowohl zu den Künsten des Krieges als des Friedensgroße Fähigkeiten besaß, trug viel bey, die Gemüther des Volks zu besänftigen, und ihreVorurtheile zu heben.

Durch die gänzliche Unterwerfung und Beruhigung aller brittifchen Staaten hatte ,6^.das Parlament Zeit gewonnen, sich umzusehen, und sich in auswärtigen Unternehmungen Holländischergefchäfftig zu erzeigen. Die Holländer waren die ersten, welche die Schwere seiner Was- Krieg,fen fühlten.

So lange Friedrich Heinrich, Prinz von Oram'en, lebte, hatten die Staaten in denbürgerlichen Kriegen von England eine genaue Neutralität beobachtet, und sich unter diestreitenden Parteyen nicht anders eingemischt, als durch Vorschläge zur Versöhnung. AlsWilliam, der mit einer englischen Prinzeßinn vermahlet war, die Macht und die Gewaltseines Vaters antrat **), wurden die Staaten so wohl vor, als nach der Hinrichtung desvorigen Königes beschuldiget, daß sie sich mehr auf die Seite des Königs geschlagen, undeiiren starken Widerwillen wider das Parlament an den Tag gelegt hätten. Es dauertelange, ehe die Gesandten der englischen Republik bey den Generalstaaten Audienz erholtenkonnten. Die Mörder des Dorislaus wurden nicht so lebhaft verfolgt, als das Parla-ment erwartete. Und in den vereinigten Provinzen hatten so wohl Leute, die in öffentli-' chen Charakteren stehen, als von jedweden anderm Range, dem Könige gar zu viel Ehrer-bietung und viele gute Dienste bewiesen.

E 2 Nach

*) Es war eine gewöhnliche Politik derpresbyterlanischen Kirchenbedienten gewesen, dengroßen Familien einen Caplan zu geben, welcherbey seinem Herrn die Stelle eines Spions ver-trat, und jenen von den geheimsten Handlun-gen und Reden der Familie Nachricht zu ge-ben. Ein ausnehmendes Beyspiel von der prie-sterlichen Tiranney, und der Unterwürfigkeitdes hohen Adels! Sie zwangen so gar die Be-dienten, von ihren Herren geheime Nachrichtenzu ertheilen. Whiteloke S. 502. Eben dieserSchriftsteller erzählt folgende Geschichte S 512.Als der Synodus zu Perth zusammen kam, unddie Minister und das Volk, welche ein Mißfal-len an ihrer himmlischen Regierung an denTag gelegt hatten, vor sich forderte, entschlos-sen sich die Weiber, weil ihre Männer ebennicht bey der Hand waren, für sie zu antwor-ten; an dem Tage, wo sie erscheinen sollten,kamen i2O Frauen mit guten Prügeln in derHand, und umringten die Kirche, wo die ehr-würdigen Minister saßen. Sie fertigten einenvon ihrer Anzahl ab, um mit den Frauen zu re-

den; und da dieser mit dem Dann drohete,prügelten sie ihn für seine Mühe ab, nahmenihn gefangen, und sandten eine Partey vonsechzig aus, welche die übrigen Geistlichen in dieFlucht jagten, ihren Leibern häßliche Beulenschlugen, und ihnen alle Bagage und zwölfPferde abnahmen. Einer von den Ministernwar eine Meile gelaufen; da er alles für seineFeinde ansah, und einem Soldaten begegnete,fiel er vor ihm auf die Knie; dieser wußte vonnichts, und fragte den Schwarzrock, was erwollte? Die Siegerinnen hielten den Secre-tär des Synodii vcst, und schlugen ihn so lan-ge, bis er sein Amt verschwor. Dreyzehn Kir-chcnbcdiente liefen vier Meilen weit, und gabenihre Stimmen, daß in diesem Dorfe kein Sy«nodus wieder gehalten werden, sondern, daß esverflucht seyn, und daß das ganze weibliche Ge-schlecht itzt für verrucht gehalten werden sollte,ob man gleich in den Jahren i6z8 und i6zydie heiligen Weiber ausgerufen hatte, die Bi<schöfe zu steinigen.

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