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Erster Band.
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Im Laufe dieser siebenzigjährigen Periode geschah es, daßpolnische Kraft Europa vor der Ueberschwemmung, mit der es sichvon den Türken bedroht sah, bewährte. Den 12 . Septbr. 168Zbrachte ihnen Johann Sobiesky eine vollständige Nie-derlage bei, als sie eben Wien belagerten, das nahe daranwar, in ihre Gewalt zu fallen, und verhütete damit denSturz des deutschen Reichs.

Aber dieser unermeßliche Dienst war nur zu bald vergessen.Einige Jahre später machte sich der russische Einfluß sichtbar.Seitdem eilte Polen seinem gänzlichen Zerfall entgegen. ZuGrunde gerichtet von dem fortwährenden Einmarsch frem-der Truppen, hatte es nicht mehr die Kraft, den herrschsüch-tigen Absichten seiner Nachbarn zu widerstehen, und Mußtesich allmählig seine schönsten Provinzen entreißen sehen, vonwelchen sogar Oesterreich die Schamlosigkeit hatte, seinenTheil anzusprechen.

Durch die erste Theilung, welche 1-72 unter dek RegierungStanislaus August Po n i a to w s k i's Statt fand,verlor Polen einen Theil von Weiß-Rußland, Roth-RußlaNdund Preußisch-Polcn.

Gebildet und reich zu einer Zeit, als Preußen und Ruß­ land kaum einen Namen hatten, tolerant, als die Reforma-tion überall Verfolgungen herbeirief, freisinnig in seiner Ari-stokratie, oder vielmehr seiner adeligen Demokratie, welcheaus einer beträchtlichen Anzahl Edelleute bestand, hat Polen ,wenn es irgend einem alten Staate vergleichbar ist, eineAnalogie mit der atheniensischen Republik. Sein Unglückwar, daß es keine von der Natur selbst bestimmte Grenzen,gleich vielen andern Ländern, hatte und stets gegen den ge-schäftigen Einfluß eines fremden Despotismus kämpfen mußte,der, bei den Königswahlen, aus die Zerstörung von Polens Unabhängigkeit ohne Unterlaß hinarbeitete.

Die Theilung unseres unglücklichen Vaterlandes ist haupt-sächlich zuzuschreiben der Unstetigkeit eines politischen Re-gierungssiistems, dem Einfluß der Jesuiten im siebcnzehnten