68 Geschichte von Großbritannien.
Mine aus, die er in Guiana entdecket hatte, und die, seiner Sage nach, reich genug seynickrF. sollte, nicht allein die Reisenden zu bereichern, sondern auch der Nation unsäglicheSchatze einzutragen. Als der König diese große Versprechungen hörete, gab er ihnenwenig Glauben; denn er glaubte, daß keine solche Goldgrube in der Natur wäre, undhielt den Raleigh für einen Mann , der sich in verzweifelten Umstanden befand, undsich auf alle Art seine Freyheit zu verschaffen, und sich wieder in Credit und Ansehenzu setzen suchte. Da er inzwischen glaubte, daß er schon Strafe genug ausgestandenhatte, so ließ er ihn aus dem Tower los; und als seine Prahlerey von der Goldmineeine Menge auf seine Seite gebracht hatte, so gab ihm der König Erlaubniß , denVersuch zu wagen, und ertheilte ihm, auf ihre eigne Bitte, die Gewalt über seine Be-gleiter. So sehr er auch gebeten wurde, wollte er ihm doch die Verzeihung nicht ge-ben, welche doch eine natürliche Folge der Macht und des Commando zu seyn schien,die ihm wieder übergeben waren. Aber Jakob ließ noch immer ein Mißtrauen gegendie Absichten des Raleighs blicken; und wollte, wie er sagte, die erste Verurtheilung,als einen Zügel seiner künftigen Aufführung behalten.
Raleigh wußte wohl, daß der König gar nicht gesinnt war, eine von den spani-schen Provinzen anzugreifen. Er läugnete also ausdrücklich, daß Spanien auf derSeite der Küste Colonien gepflanzet hatte, wo seine Mine läge. Wenn der Gesandtedieser Nation, der berühmte Gondomar, den seine Zurüstungen beunruhigten, sich beydem König beklagte; so berief sich Raleigh beständig auf die Unschuld seiner Absichten:und Jakob versicherte den Gondomar, daß er keine Feindseligkeiten unternehmen dürfte,und daß er eine solche Verwegenheit mit seinem Kopfe bezahlen sollte. Aber dieserMinister schloß klüglich, daß zwölf bewaffnete Schiffe nicht ohne eine Absicht, einenEinfall zu thun, ausgerüstet würden, und gab dem Hofe zu Madrid eine Nachrichtdavon, der augenblicklich Befehle ertheilte, alle seine Provinzen, vornehmlich die aufden Küsten von Guiana, zu bewaffnen und zu bevestigen.
Als der Muth und der Geiz der Spanier und Portugiesen so viel neue Welten entde-cket hatte, wollten sie den barbarischen Heyden, welche sie angriffen, nicht nur ihrenVorzug an Macht und Kriegserfahrenheit, sondern auch an der Gerechtigkeit in diesen Krie-' gen zeigen. Sie wandten sich demnach an Alexander den Sechsten, der damals aufdem päbstlichen Stuhl saß; und er schenkte, mit vieler Großmuth, den Spaniern dieganze westliche, und den Portugiesen die ganze östliche Seite der Welt. Die Prote-stanten, welche dagegen ihr Bedenken hatten, und die Gewalt des römischen Pabstesnicht gelten ließen, nahmen die erste Entdeckung für einen Grund ihres Rechtes an;und wenn ein Kaper, oder Seefahrer von ihrer Nation nur einen Pfahl, oder einenStein an dem Ufer aufgerichtet hatte, zum Denkmaal, daß sie Besitz davon nahmen, soschloffen sie, daß ihnen das ganze veste Land gehöre, und hielten sich für berechtiget, diealten Besitzer und Einwohner, als unrechtmäßige Herren, zu vertreiben, oder auszu-rotten. Auf diese Weise hatte der Ritter Walter Raleigh vor etwa drey und zwanzigJahren der Krone von England einen rechtmäßigen Anspruch auf das veste Land vonGuiana erworben, ein Land, welche so groß ist, als halb Europa; und ob er gleichbald darauf die Küste verlassen hatte, so behauptete er doch , daß das englische Rechtgewiß und unstreitig bliebe. Aber in der Zeit hatten die Spanier, welche entweder
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