Jakob der Erste. Kap. iv. 69
diesen Anspruch nicht wußten, oder nicht gelten ließen, Besitz von einem Theile vonGuiana genommen, eine Colonie an dem Fluße Oronooko angelegt, und eine kleineStadt, St. Thomas genannt, erbauet, und arbeiteten daselbst in einigen Goldgru-ben von kleinem Austrag.
Nach diesem Ort nahm Raleigh gerades Weges seinen Lauf. Er selbst lag ander Mündung des Flußes mit fünf seiner größesten Schiffe, und sandte die andern un-ter dem Commando stines Sohnes, und des Capitain Kenmis, eines Mannes, der ihm ganzergeben war, nach Sr. Thomas. Die Spanier, welche diesen Angr iff erwartet hat-ten, gaben auf die Engländer bey ihrer Landung Feuer, wurden zurückgeschlagen, undbis in die Stadt verfolget. Der junge Raleigh, um seine Leute anzufeuren, rief:Dieses sey die wahre Goldgrube, und Narren nur hofften, eine andre zu ent-decken! Er rückte auf die Spanier an, und bekam einen Schuß, wovon er gleich ge-lobtet wurde. Dieses schlug den Keymis und die andern nicht nieder. Sie setztenden Angriff fort, gewannen die Stadt, welche sie hernach in Brand steckten, und fan-den nichts von erheblichem Werth darinn.
Raleigh gab nicht vor, daß er die Goldgrube selbst gesehen hatte, welche zu ero-bern er so viele Leute angeworben hatte: er sagte, Keymis hatte sie vormals entdecket,und ihm das Stück Gold gebracht, welches so unsägliche Schätze versprochen. Unddoch wollte Keymis, welcher gestund, daß er in einem Marsch von zwey Stunden zurStelle seyn könnte, unter den ungereimtesten Entschuldigungen, keinen Schritt weitergehen, um sie zu finden ; und kehrcte den Augenblick wieder zu dem Raleigh zurück,mit der betrübten Zeitung von dem Tode seines Sohnes, und dem Übeln Ausschlag seinerUnternehmung. Keymis, der Verweise besorgte, und seine Strafe für seine Auffüh-rung voraus sah, gieng voll Verzweifelung in seine Kajüte, und brachte sich selbst umsLeben.
Die übrigen Reisegefährten schloffen itzt, daß sie vom Raleigh betrogen wären, daßer niemals eine solche Goldgrube gewußt hatte, welche er suchen wollen; daß er allzeitdie Absicht gehabt hatte. St. Thomas zu plündern; und wenn er seine Gefährtendurch den Raub dieser Stadt aufgemuntert hatte, von daraus die übrigen spanischenColonien anzugreifen; daß er sich Hoffnung gemacht hätte, sein zu Grunde gegangenesVermögen durch solche verwegne Unternehmungen wieder zu ersetzen; und daß er sich dar-auf verlassen hatte, durch das Geld, welches er erwerben würde, Frieden mit Eng-land zu machen; oder wenn dieses ihm fehl geschlagen wäre, daß er ihnen würde vor-geschlagen haben, in ein ander Land zu gehen, wo seine Reichthümer ihm einen sichernAufenthalt verschaffen könnten.
Das wenige, was Raleihs Gefährten durch die Plünderung von St. Thomaserworben hatten, benahm ihnen den Muth, ihm in diesen Absichten beyzustehen; ob-gleich in den Tractaten zwischen den beyden Nationen viele Umstände waren, die sieverleiten konnten, mit den Spaniern einen solchen Seeräuberkrieg zu führen.
Als England Frieden mit Spanien machte, folgte man dem Exempel HeinrichsIV. der in den Tractaken von Vervins, weil er eine Schwürigkeit fand, alle Strei-tigkeiten wegen der indianischen Handlung auszumachen , bewilliget hatte, daß mandiesen Artikel mit Schweigen üvergehen möchte. Die Spanier, welche schon strenge
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