XI.I
Hccr so ohne alle Einschränkung gut und tapfer nennenzu können? Die Erschlaffung der höhern militärischenTugend stieg bei der Spanischen Nation in eben demGrade/ in welchem der Wohlstand der Vornehmer»zunahm. Reiche Erben/ deren Vater steh in denGoldgruben America's ein großes Vermögen gesam-melt , kauften sich die Fahne und glänzten in gesticktenUniformen vor der Fronte ihrer Compagnien. Umdas Studium der Tactik und anderer militärischerWissenschaften bekümmerten sie sich nicht/ und selbstder Regierung genügte eine volle Börse statt einesguten Kopfs. Tanz und Spiel ward dieser Menschenfast einzige Beschäftigung oder Zeitverkürzung / undnoch jetzt sucht man in Spanien den wachhabendenOfficier nicht selten zu Hause in seinem Berte oder inirgend einer Schenke bei einer Gesellschaft von Gau-nern. Zwar erhielt sich noch einige Zeit nach derEntdeckung von America der echt kriegerische Geistder Spanier; aber nach der Mitte des siebzehntenJahrhunderts versank er beinahe in gänzliche Lethargie.Der gegenwärtige Augenblick contrastirt auffallendmit den Zeiten jenes unruhigen Carl des Fünften,welcher die Geißel des Krieges fast über ganz Europa schwang und selbst über das Meer seine Eroberungenausdehnte. Dem Spanischen Soldaten ist nichts vonseinen frühern guten Eigenschaften übrig geblieben, alsseine Genügsamkeit. Mit einer Zwiebel und einerCigarre befriedigt er seine dringendsten Bedürfnisse.