Sokrates entlehnte er im wesentlichen die Me-thode, dafs er sich aber in seinen Grundsätzennicht strenge an ihn hielt, davon werden wirgleich ein Beyspiel sehen. Er blieb blofs beymetaphysischen und moralischen Untersuchun-gen stehen, weil man nun einmal so weit vorge-rückt war, ela is man die Sinnenwelt nicht mehrzum unmittelbaren Gegenstände der Spekula-tion machte, und betrachtete Mathematik undAstronomie blofs aus dem Standpunkte einesPhilosophen als Hülfswissenschaften.
Wenn, man übrigens den Zustand der da-maligen Philosophie kennt, wenn man weifs,wie die noch nicht sehr zahlreichen Erfahrungenund der Gang, den dadurch die Spekulationnahm, die denkenden Köpfe veranlafsten,alles aufser dem Denkvermögen für Sinnen-schein und Trug zu erklären, und alle Erkennt-nifs der Natur durch Dialektik zu erzwingen,wenn man ferner belehrt wird, wie auf die Artdie Künste und fruchtlosen Spitzfindigkeitender Sophisten entstanden; so versteht man, wiePlato’s Lehrer Sokrates , bey seinem Strebenseine Grundsätze praktisch zu machen, blofsso viel von Arithmetik, Geometrie und Astro-nomie zu lernen befiehlt, als man in den Ge-schäften des Lebens brauche; Plato hingegen
eben