IX
Es giebt in der englischen Sprache nicht eine einzige ur-schriftliche Abhandlung über Belagerungen. All' unser Wissenhaben wir aus fremden Schriftstellern, deren auf unsere kör-perlichen und geistigen Kräfte weder anwendbaren, nochschädlichen Gebräuche, blindlings befolgt werden, nicht weilwir sie unbedingt gut heißen, nein, weil wir keine anderekennen. Mancher brittische Offizier schöpfte in vcrschicdncnZeiträumen viele Kenntniß und Erfahrung in dieser Kunst,keiner brachte aber sein Wissen zur öffentlichen Kunde, esstarb mit ihm, und jedes folgende Geschlecht war genöthigt,sich seine Geschicklichkeit hülflos, mühevoll, mit vielem Blut-vergießen und auf Landeskosten zu erkaufen.
Aus solchem Mangel an Mittheilung entsteht der Nachtheil,daß es über diesen Gegenstand weder allgemeine Grundsätze, nochwie bei andern Künsten, eine stillschweigend anerkannte undzuvcrlaßigc Behörde giebt. Eben daher bestehen für die Füh-rung einer brittischen Belagerung, weder Vorschriften nochAnstalten.
Jeder Offizier führt nach Maßgabe seiner Fähigkeitenund seiner Erfahrung den Angriff. Nie dienen Bemerkungennoch Denkschriften früherer Belagerungen den spätern zurRichtschnur. Mangel und Vorzüge aller vorhergcgang-nen Angriffe werden zugleich der Vergessenheit übergeben,und jede folgende mit der Uncrfahrenhcit der frühern ge-führt.
Als Versuch zum Anfang eines allgemeinen Systems,sind hier die Ereignisse von fünf Belagerungen, die Dienst-cinzelnheiten, und die Art wie erstere geführt wurden, ange-zeigt. Die bei künftigen Belagerungen angestellten Offiziere,werden ohne Zweifel alle diese Gegenstände verbessern. Machensie die fernern Fortschritte ihrer Erfahrung mehrere Jahrehindurch bekannt, so ist mit Recht von diesem Dienstzweigein Grad von Vollkommenheit zu erwarten.