68
Versuch einer Instruction
aus, verlieht sich durch das öftere'Anschauen ihdas Kind seiner Ideen, läfst es zuletzt in Kupferstechen und ereifert sich , wenn nicht flugs alle Ar-meen es zum Muster wählen. Mich dünkt, so lan-ge inan in dem Anzug eines Soldaten nicht gerade-zu etwas findet, was den Absichten , wozu ei daist, zuwider läuft, so könnte man immerhin in An-sehung der Farbe, des Schnittes etc. sehr tolerantseyn. Die Kleidung wird stets ein Gegenstandbleiben, der sich den Abstractionen nicht unterwirft,und es sind dem Anschein nach geringfügige Din-ge dabey sehr zu bedenken , welche die voreiligenVerbesserer gewöhnlich übersehen. Die Kleidungist bey jedem jungen Menschen nicht allein Be-deckung der Blöse, sondern auch Aushänge-schild, dessen Gestalt und Farbe sich natürlichnach dem Geschmack derer, die dadurch angezo-gen werden sollen, richten mufs. Mehr als beyjedem- andern Stande findet dieses aber beym Mili-tair statt, das meistens aus jungen Leuten besteht,alle Augen auf sich gerichtet sieht, und mit allenArten vou Menschen von beyderley Geschlechternin Berührungspunkte kommt. Durch ein glänzen-des Äussere muls es seine schweren Entbehrungenvor dem eigenen Blicke bedecken und fremde blen-den und auf die dornenvolle Bahn locken, die esmit bunten Blumen zu umstreuen weils. Man be-denke doch, dals der Mensch an Phantomen hängt,und dafs kein Stand wohlthätiger Vorurtheile so we-nig entbehren kann, als der Soldatenstand. Mannehme uns das Scheinbild der Ehre; und diesebuntsclieckicht zusammengesetzte Maschine wirdbald zerrüttet, den Feinden zum Spott, und demVatcrlande zur Geisel werden. Man nehme derfeurigen lugend die mit leichtem Sinn aufgefafste