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Die Vorstellungen der alten Griechen und Römer über die Erde als Himmelskörper / von Ludw. Oettinger
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ruhen könne. Gleichlautend damit berichtet Scneca * 2 ), dass nach ThaiesAnsicht die Erde von Flüssigkeit getragen werde und darauf schwimme, manmag' darunter den Ocean oder ein grosses Meer, oder etwas anderes derartigesverstehen. Hierauf wird die Erdscheibe getragen, wie irgend ein grosses undschweres Schiff. Daraus erklärt er nun ferner den Ursprung der Quellen, Dacheund Ströme, und die Erdbeben, als Schwankungen und Erschütterungen, wieer denn überhaupt das Wasser für das mächtigste Element halt, das er für daserste erklärt, woraus alles entstanden sey. Die nämliche Nachricht wiederholtScneca an einer anderen Stelle 3 ) wo er Thaies Ansicht als unzulässig widerlegt.

Dagegen geben Plutarch 4 * ), Galen s ~) und Eusebius 6 ) im Gegen-sätze von den oben angeführten Alittheilungcii an, dass Thaies die kugelförmigeGestalt der Erde gelehrt habe.

Nun fällt sogleich die übereinstimmende Aussage der drei zuletzt genanntenSchriftsteller auf. Die Worte sind bis auf einzelne Ausnahmen gleichlautend,so dass die Vermulhung vorliegt, dass alle aus der nämlichen Quelle schöpften,oder einander abschrieben. Hält man nun diese Aussagen w elche von Männern hcr-rülircn, die gar zu häufig sehr unkritisch verfuhren, denen eines sorgsam prüfendenAristoteles und Seneca’s entgegen, so wird man keinen Anstand nehmendieselben als unrichtig zu verwerfen, denn Aristoteles stellt in dem angeführtenKapitel die Ansichten vieler über Gestalt und Beschaffenheit der Erde zusammen undbeleuchtet sie; Scneca hebt das Unstatthafte derselben mehreremal lienor. Beide

23 Nat. Quaest. VI, 6. Thaies Milesius totam terram subjecto judicat humore portari etinnatare; sive illud oceanum vocas, sive magnum mare, sive alterius naturac, sim-plicem adliuc aquam et liumidum elementum. Hac, inquit, unda suslinelur orbis,

velut aliquod grande navigium et grave bis aquis quas preinit.flanc

opinionein falsam esse, non est diu colligenduin.

3) Nat. Quaest. III, 13. Aqua, ait Thaies, valentissimum elementum est. Hoc fuisse

primum putat, ex hoc surrexisse omnia.Quae sequitur, Thaletis inepta

sentenlia est Ait enim, terrarum orbem aqua sustineri, et velii more navigii,mobililateque ejus lluctuare, tune cum dicitur tremere

4 ) d. Placit. Philosoph. III, 10. Qtürg, -/.kl 61 — iidi/.oi, y.cu 61 cctz' uujüv 0(fcu-

(toeid'rj ir]i‘ yfy. 4

5j d. philos. hislor. XXI, 2. Oalrg -/.ai 6t, ein' civzH acfaioottdr; zt]v yfjv voui^aaiv

6} Piaepar. evangel XV, 5ü. Oultjg xui 61 — zwixoi affutyottdij ?/;»' yf t v.