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Die Vorstellungen der alten Griechen und Römer über die Erde als Himmelskörper / von Ludw. Oettinger
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51
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.Jahrhunderts (um 300) zu Alexandrien lebte. In seiner Schrift Phaenomena ,worin er hauptsächlich die Bewegung des Thierkreises in 18 Sülzen zum Gegen-stand der Untersuchung macht, findet sich nirgends die Ansicht von der Kugel-gestalt der Erde ausgesprochen. In dem zweiten Lehrsatz spricht er aber vondem Horizont als einem grössten Kreise, dessen Pole beweglich sind und zwischenden Wendekreisen, dem Wendekreisen und Polarkreisen etc. liegen können. Ver-schiedene Lagen des Horizont müssen aber, wenn sie auch in der sphärischenAstronomie ihre Aufnahme finden, wo sic ruhig im .'Mittelpunkte des Univer-sums gedacht wird, immer in ihrer Begründung auf die Kugelgestalt zurückführen und es ist daher sehr wahrscheinlich, dass Euclid, ein so richtiger Denker,dieselbe angenommen habe, ohne gerade die Gründe hiefür zu entwickeln, da erhiezu bei Erklärung der Erscheinungen, welche bei Bewegung der Sphäre undnamentlich des Thierkreises entstehen, keine Veranlassung fand.

Archimed (geb. 287 v. Chr.) führte gleichfalls einen Beweis für dieKugelgestalt aus theoretischen Gründen, den er aus der Natur der flüssigen .Hassenhernahm und welcher dem von Aristoteles aus der Schwere abgeleiteten zurSeite steht. Er zeigt nämlich 3 ), dass jede flüssige Masse, von welcher Grössesie sein möge, im Zustande der Ruhe die Kugelgestalt habe und dass der

3) Da Archimeds Schrift tt t'/t nüv o%ot'[th'wv, von den schwimmenden Körpernnicht in der Ursprache auf uns gekommen, sondern nur eine lateinische vonCommandin benutzte Uebersetzung vorhanden ist, (vergl. Litler. d. math. Wiss.v. Murhard. III, S. 60 und Kästners Gesell, d. .Math. II, S. 201), so gebe ichdie bezügliche Stelle nach Nizze’s Uebers. Stralsuud 1824, Salz 2,

„Die Oberfläche einer jeden zusammenhängenden Flüssigkeit im Zustandeder Ruhe ist sphärisch und der Mittelpunk ihrer Kugel ist einerlei mit dem Mittel-punkte der Erde." Diess ist natürlich nur dann der Fall, wenn die Flüssigkeitmit der Erde in Verbindung gebracht wird. Der ziemlich weitläufige Beweisdieses Satzes wird von Archimed so geführt, dass man eine flüssige Massemit der Erde in Verbindung gesetzt denke, die dieser Voraussetzung nicht ent-spreche und dass man dann durch sie und den Mittelpunkt der Erde eine Ebenegelegt denke. Die höher gelegenen Theile dieser Flüssigkeit müssten dann wegendes Druckes die nieder gelegenen verdrängen und diese Wirkung würde so langedauern, bis alle sich in gleicher Entfernung von dem Mittelpunkte gelagert hätten,wodurch der verlangte Beweis geliefert ist. Die Kugelgestalt der Erde setzt ervoraus. Sandeszahl 2.