Band 
Vierter Band.
Seite
101
JPEG-Download
 

101

liche Tyrol an dem Garda-See zwischen die Etsch unddem Mincio, um mit Nachdruck dort die Grenzen zu ver-theidigen. Die Fürsten des rheinischen Bundes warenaufgefordert, ihre schon im Felde stehenden Kriegsvölkervollzählig zu machen und zur Verfügung Napoleons zu stellen.

Der König von Bayern trug vielleicht mehr, alsjeder andere deutsche Fürst die Ueberzeugung, daß er nichtso sehr für Frankreichs Interesse eines Heeres bedürfe,als vielmehr um im entscheidenden Augenblick jener be-wegten Zeit, Herr und Vollstrecker seiner freien Entschlie-ßungen bleiben zu können. Er hatte das stolze StrebenNapoleons , dessen mannigfaltige Mißgriffe beobachtet,und den Einfluß heftiger Leidenschaften desselben in allemThun . Er hatte gesehen, wie die öffentliche Meinungsich von dem Gewaltherrn trennte, als dieser sie zu ver-achten begann, und wußte, daß kein Weltreich lange dauere,und ein Schnellgebautes eben so schnell zertrümmere. Oh-nedem war bei Maximilian Joseph schon itzt unab-änderlich beschlossen, ferner nicht die Blüthe seines Vol-kes im Kampfe für fremde Zwecke zu opfern; sondernsich, wenn er könne, einem Zwange zu entziehen, unterwelchem er in Kriege selbst mit Fürsten verwickelt wordenwar, welche er persönlich liebte und verehrte. Allein dieMittel zu diesem großen Zwecke mußten mit äußersterUmsicht gewählt werden, damit nicht Bayern unter derRache des Welchen^ falle, wenn derselbe das Geheim-niß des unzufriedene» Bundesgenossen zu früh erriethe.Daraus erklärt sich, warum die Division Raglowich,nur nach langem Zögern, den Bewegungen des napo-lconischen Heeres folgte; warum dieselbe nie vollzähliggemacht, warum deren Verluste bis zu er folgte in Waffen-