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von jedem 2osten seßhaften Bürger ein völlig aus-gerüsteter Mann gestellt werden mußte. Die Auf-gebote an die Ritterschaft erfolgten noch längere Zeit.Sie bezogen sich indessen auch nicht mehr auf per-sönlichen ritterlichen Dienst, sondern nur auf Gestel-lung der Lehnpferde, Knechte und bespannten Rüst-wagen. selbst diese Leistung erfolgte ikbi beieinem Aufgebot gegen die Türken zum letztenmal,denn bei derselben Gelegenheit 166Z fand man sicheben auch mit Geld ab. Den Umständen nachge-bend, gestattete der Kurfürst scitvem die Entrichtungvon 43 Rthlr. statt der Gestellung eines Oienstpfcr-des, woraus sich ein Fond zur Bestreitung der Werbe-kosten der Reitergeschwaver bildete. So erfolgte alsoseit dem Frieden von Oliva die Errichtung und Er-gänzung des Heers allgemein durch Werbungen.Allein beim Eintreten außerordentlicher Umstände,und wenn eine der Provinzen besonders vom Feindebedroht oder überschwemmt ward, mußte dennochWieder die allgemeine Theilnahme derselben in An-spruch genommen werden, wie dies namentlich inden Jahren 1676 und 79 in Brandenburg undPreußen, nachdem die Schweden darin eingefallen,der Fall war. In der Mark bewaffnete sich bekannt-lich daS Landvolk ohne Aufgebot, formirte sich inregelmäßige Fähnlein, und suchte Gewalt mit Ge-walt zu vertreiben. In Preußen rief man jedenAdeligen unter 60 Jahren mit seinen Reisigen, Knech-ten und Dienern auf. Die Städter wurden mitMusketen, und das Landvolk in deren Ermangelungr»it Sensen bewaffnet. Diese Anstrengungen führtenzwar keine glänzenden Erfolge herbei, vielleicht weilsie nicht gehörig geordnet und geleitet waren; nichts