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Chronologische Uebersicht der Geschichte des preussischen Heers dessen Stärke, Verfassung und Kriege seit den letzten Kurfürsten von Brandenburg bis auf die jetzigen Zeiten / mit vielen erläuternden Zusätzen von F. v. Ciriacy
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266
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dem Gegner leicht würde, in die dadurch entstan-denen Lücken mit dem Bajonet einzudringen.

Welchen Einfluß der erste Umstand auf den mo-ralischen Muth des gemeinen Mannes äußert, undwie jehr dadurch dessen Zutrauen zur Fcuerwaffe er-höht wird, zeigte sich namentlich in der Schlacht beiFleury 1690. Die Franzosen wollten nämlich inderselben bemerkt haben, daß die noch mit Pikenversehenen holländischen Bataillone einen geringernWiderstand leisteten, als die Vrandenburgischen undandern deutschen Truppen, bei denen dies Gewehrbereits abgeschafft war. Da nun die Franzosen eben-falls noch mit Piken bewaffnet waren, so folgt dar-aus, daß sie sich gegen die Feuermanner im Nach-theil befanden, welches heut zu Tage bei der un-gleich vollkommner ausgebildeten Feuer-Taktik nochmehr der Fall seyn würde. Im Allgemeinen wirddurch diese das Stoßgcfecht vielfach bedingt undmvdifizirt, indem schon das Feuergefecht die Nieder-lage des einen oder andern Theils herbeiführt.

Wenn nun auch die Idee des Erstern jederzeitder endlichen Entscheidung des Gefechts zum Grundeliegen muß, so ist doch nicht zu laugnen, daß hier-bei eigentlich nur auf die moralische Wirkung, welcheder Anfall auf den Gegner macht, gerechnet ist.Auch weißt die Kriegsgeschichte im Verhältniß derunternommenen Angriffe mit dem Bajonet nur we-nige Fälle des wirklichen Einbrechens und Handge-menge nach. Gewöhnlich kehrt ein Theil vor derZeit um. Träfe man aber wirklich zusammen, sowürde für den mit Piken versehenen Gegner unstrei-

») Sieh« die in dem Zusatz -5. angeführte Stelle auS der Dienst-vorschrift Von, Jahre 174z.