Buch 
Geheime und sonderbare Kriegs-Nachrichten des Marggrafen von Feuquieres / Antoine Feuquières de Pas
Entstehung
Seite
48
JPEG-Download
 

48

Nachricht von dem Kriege.

Cap. XLVI.

in Ansehung der neuen Truppen, die man der Armee zu Hülffe geschickt hat.Gleichwie es sich aber offt zutråget, daß ein Fürst mehr als auf einerSeite in seinem Staat den Feinden Wiederstand thun muß, und gleichwohlnicht eben auf betrübte Art gezwungen ist allenthalben nur defenfive zu geshen; so erachte ich für nüßlich allhier etwas weniges von dieser Art des Defen-fiv- Krieges zu gedencken, nehmlich von demjenigen, welchen man auf einerSeite, aus freyer Wahl, also führet, da immittelst der Fürst in den andernLändern mit einer andern Gattung von Kriegen beschafftiget ist.

Dieser hier soll mit grosser Vorsicht geführet werden. Die Absicht de-fenfivè zu gehen muß, so viel möglich, dem Feind verborgen bleiben; daher sollman ihn dieses Vorhaben nicht so zeitlich mercken lassen, daß er Weile habe,sich auf einen Offenfiv- Krieg gefaßt zu machen, und solcher gestalt bey ihmstünde nicht eher anzufangen, als wenn er es für rathsam hielte, durch dasProject von dem Feldzug, auf der Seite, da man offenfivè zu agiren Willensware, einen grossen Strich zu machen: Und dieses vornehmlich darum, weiler den Feld- Zug gar leichtlich allenthalben unangenehm machen würde, indemman sich genöthiget fåbe, die Truppen aus den Ländern wegzunehmen, wo-selbst man die gröfte Macht zu haben beschlossen hatte, und zu dem, wenn mandie Zeit, welche die Truppen auf das Marschiren wenden müsten, das hefftig-angegriffene Land zu beschützen, von derjenigen, da man im Felde agiren solte,abzöge, so würde sich finden, daß man die Gelegenheit auf der Seite, wo manoffenfive gehen wollen, solches in das Werck zu richten, gänzlich verlohrenhabe, über diß auch die Truppen in dem Lande, wo man sich nur defenfivè zuhalten beschloffen, allzuspát und abgemattet anlangen würden.

Diesemnach halte ich beständig dafür, daß der Anschlag, wegen dieserArt vom Kriege, so viel Nachsinnen und Geschicklichkeit, als einer, erfordert,indem man mit sehr gutem Vorbedacht und sehr genau untersuchen muß alles,was der Feind vornehmen kan, und was dessen Unternehmungen für wichtigeDinge etwa fünfftig nach sich ziehen möchten, ehe man zu dieser Art vonDefenfiv- Kriegen freywillig schreitet, weil solcher zum allerwenigsten dasgange Project, das man wegen des Feldzugs gemacht, völlig verrücken kan.

Diese Art von selbsterwehlten Defenfiv- Kriegen soll man niemahls unternehmen, ausser auf der Seite, woselbst man versichert ist, den Feind dahinzu bringen, daß er über einen beschwerlichen Fluß, oder durch ein enges Land,darinnen es verschiedene Passe und unwegsame Derter giebet, nothwendiggehen muß, wenn er in die Proving zu dringen Vorhabens ist: Desgleichenwenn man an diesem Fluß einen befestigten und wohlversehenen Ort hat undweiß, daß der Feind mit dessen ganz unumgänglicher Belagerung den Anfangmachen muß, auch leicht vermuthen kan, daß er so viel Zeit davor verlieren

werde,