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Historische und Militarische Nachrichten. Cap. I.
Parma und Modena und die Republic Genua. Die zwey mächtigen Hau-fer darunter waren die von Oesterreich und Franckreich. Franckreich hielt denKrieg ganz allein aus, und nahm dem Spanisch- Desterreichischen Hause ver-fchiedenes ab, unerachtet die Teutsche Linie, welche, ob sie schon den Krieg wiederden Türcken und die Rebellen, die Franckreich, so viel ihm möglich, ob wohlvom weiten, unterstützte, mit ihrer eigenen Macht fortführete, durch ihr Ansehenim Reich das Mittel gefunden, Franckreich zu bekriegen, und zu dem Ende mitden Engel- und Holländern, welche der König von Engelland, Wilhelm vonNassau auf seine Seite gebracht, gemeine Sache gemacht hatte, auch den Her-Bog von Savoyen dahin vermocht, daß er sich ebenfalls wieder Franckreicherklärete.
Das Haus Oesterreich war damahls in zwey Linien getheilet: In dieTeutsche, davon der Kayfer, Leopold I. das Haupt war, und zwey Söhne hat-te; und in die Spanische, welche in der einzigen Person König Carls, des andern, bestund. Dieses war nun zur selbigen Zeit der Zustand der beyden mächtigen Häuser, welche entweder des gemeinsamen Intereffe halber, oder ausFurcht, den ganzen Überrest von Europa an sich zogen. Dagegen war dasFranzösische Haus, seit dem Pyrenäischen Frieden, dermassen groß, und allenandern Potentaten von Europa so erschrecklich geworden, daß es dem Kayser,welcher ein guter Politicus, daber weise und, dem aufserlichen Schein nach,fehr gemäßiget* war, nicht schwer fiel, alle andere Potentaten, zum Vortheil seisnes Hauses, wieder Franckreich zu vereinigen. Hierzu bedienete er sich eines sehrgeringen Mittels, nehmlich er brachte diesen Potentaten bey, daß sie sich fürdem blühenden Zustand des Hauses Franckreich, und dessen ehrgeizigen Ab-sichten, allerdings zu fürchten hätten: massen diese den Untergang ihrer Staaten unvermeidlich nach sich ziehen würden, indem deren Eroberung gar leichtzu vollbringen wäre, wenn sein Haus vorhero unter den Fuß gebracht worden;ja er stellete ihnen dieses als eine Sache vor, die bereits nahe und vor derThür wäre, daferne sie ihm nicht gemeinschafftlich beyträten, und solchem ab-zuhelffen fuchten.
Der Prinz von Oranien, welcher mit Ausgang des 1688sten Jahrs, sei-nem Schwieger Vater zum Nachtheil, des Englischen Throns sich angemaffet, und, vermöge seiner Statthalter- Würde von Holland, bey diesermächtigen Republic, in überaus grossem Ansehen stund, fand allerdings seisnen Privat Nußen dabey, wenn er dem Haus Desterreich in Teutschlandbeytrate, und sich auf diese Maasse auf dem neu- angemasseten Thron, mitBeystand der Holländer, zu erhalten suchte, bewegte daher diese Republic
gar* Der Leser wird sich bey dieser, und andern Stellen, erinnern, daß der sonst Kriegsverständige Autor hier als ein Franzose spricht.