Historische und Militarische Nachrichten. Cap. III. 21
nien einen Grund, daran der Ehrgeiz dasjenige, was es in den beyden vorigen Kriegen verlohren, wieder zu erlangen mehr Antheil hatte, als die Begierde das übrige, was es in den Niederlanden besaß, zu erhalten. DieseCrone war, wegen alles dessen, was seit dem zu Nimägen 1678. geschlossenenFrieden vorgegangen, in der That sehr unwillig. Auch sahe sie Franckreichfchon vom vorigen Jahr her mit dem Kayser, Engelland, Holland und demReich, im Kriege, glaubte daher, es erfordere ihr Intereffe, mit in diese All-liant zu treten, in der Hoffnung entweder durch einige glückliche Begeben-heiten bey der Fortsetzung des Krieges, oder vermittelst eines vortheilhafftenFriedens, welcher, ihrer Meynung nach, ungezweiffelt darauf folgen müßte,dasjenige, was ihr Franckreich seit dem Jahr 1667. abgenommen, wieder zuerhalten. Und ob wohl der Ausgang gezeiget, daß sie ihre Rechnung ohneden Wirth gemacht hatte, so beweiset doch dasjenige, so ich alleweile von demUrsprung dieses Krieges angeführet, daß Spanien nicht so wohl um seinerErhaltung willen mit darein getreten, als daß es dasjenige, so es in den vorigen Kriegen eingebüsset, wieder erlangen möchte.
Der Krieg aber, so anno 1701. angegangen, ist in Ansehung Spa-niens, von allen andern, schlechterdings unterschieden. Denn als diese Mo-narchie, vermöge Caroli II. Testaments, auf einen Französischen Prinzengefallen war, so fahe sich der König genöthiget, diesen auf solchem Thron zuerhalten; allein der Kayfer Jofeph Ignatius I. machte diese Erbschafft streitig,und wolte solche für seinen Bruder, Ertz- Herzog Carin haben. Auch nah-men sich alle Potentaten in Europa, Schweden allein ausgenommen, desKayserlichen Intereffe, wieder Franckreich an. Das ist also der wahre Grunddes gegenwärtigen Kriegs, ob wohl dasjenige, so sich darinnen zugetragen,bis auf diesen Tag, für Spanien nicht glücklich abgelauffen, unerachtet esdes Französischen Beystandes überall genossen hat.
Es ist also für Spanien ein Krieg, den es aus Noth und seine Monarchieunzertheilet zu erhalten führen muß, keinesweges aber unter diejenige Art vonKriegen zu rechnen, so ein Fürst aus ehrgeizigen Absichten antritt.
Aus allen demjenigen, was ich wegen der Kriege, die Spanien zu meinerZeit gehabt, aniezo angeführet habe, kan man vernünfftig schliessen, daß, vonPhilippo II. an, die Könige in Spanien keinen Krieg aus andern Ursachen an-gefangen, als nur ihre grosse zertheilete Länder, daraus ihre Monarchie bestund,so viel möglich zu erhalten, und mithin muß man bey den Königen von Spanien,feit Philippi II. Zeiten, den Character eines ehrgeizigen Fürsten keineswegessuchen.
Portugall habe ich zweymahl in dem Kriege verwickelt gesehen. Dererste war der, welchen sein König wieder Spanien geführet, als es dessen Jochabges
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