Historische und Militarische Nachrichten. Cap. III. 29
muth und Ehrgeiz dergestalt blicken zu lassen, daß sie sich in den Besitz setzenwollen, die Schieds- Richterin und Regiererin der Sachen in Europa zu seyn,gestalt von derselben Zeit an keine einzige vorgekommen, daran sie nicht hätteTheil haben wollen. Den hochtrabenden Manieren, welche deren Abgesandtean allen Hofen der Fürsten an sich spüren liessen, fügte sie auch die unbezähmte Freyheit ihrer Bücher- Schreiber, wieder die ehrwürdigsten PersonenDer Könige, bey: ja sie machte diese auch so gar, durch die Discurse ihrer Misnister an den Höfen, unwillig: gestalt dieses zuweilen so unbescheidene Nedenwaren, und von dem ihnen gebührenden Rang so weit abgiengen, daß derKönig Mittel fand die Cron Schweden dahin zu vermögen, daß sie sich derStreitigkeiten, die er mit Holland haben möchte, keines weges annehmenfolte. Über dies machte er auch eine Allianz mit Engelland, welches über denHolländischen Stoltz auf der See ebenfalls sehr übel zu sprechen war, undkrafft dieses Tractats hatte man sich verglichen, daß diese beyde PotentatenHolland zu Wasser und zu Lande angreiffen solten. Der Chur- Fürst vonColln, und der Bischoff zu Münster, traten diesem Tractat als Bunds- Genossen der beyden Könige ebenfalls bey: der erstere, damit er die Derter amRhein, die zu seinem Churfürstenthum gehöreten, und von den Holländern ein-genommen worden, wieder bekommen möchte, und der andere wegen deriesnigen, so dem Bißthum Münster zuständig waren, und, wie ich oben gedacht,zu dem Kriege, den der Bischoff gehabt, Anlaß gegeben hatten.
Aus aller dieser Erzehlung ist leicht zu begreiffen, daß der Krieg, so imJahr 1672. wieder Holland angieng, auf ihrer Seite gar nicht daher entstanden, daß sie dasjenige, so dieselben auf unserm festen Lande besaffen, ver-mehren und sich dadurch empor schwingen wolten, sondern dessen rechter Ursprung war ihr Hochmuth, welcher den Potentaten so unerträglich geworden,daß fie mit einander Abrede nahmen, dieselben zu demüthigen. Wäre desKonigs Rath, wie ich schon oben gedacht, als ich von Franckreichs KriegenErwähnung gethan habe, wegen einiges Privat- Intereffe, nicht verschiedenerMeynung gewesen, so würde diese Republic, im Jahr 1672. gewißlich eineentsetzliche Erniedrigung zu erdulten gehabt haben; allein das VerhängnißDer Staaten hatte diesfalls ein anders verordnet. Mittlerzeit brachten dieHolländer Spanien und den Chur- Fürsten von Brandenburg, ja so gar auchEngelland, auf ihre Seite, also daß es ihnen, nach einem zehenjährigen Kriesge, weiter nichts kostete, als die Oerter an dem Rhein, welche sie denenChur- Fürsten von Cölln und Brandenburg zurück geben musten. Dagegenverlohren ihre Alliirten, die Spanier, einige Festungen, in Flandern und inder Grafschafft Burgund, und hatten noch darzu den heimlichen Verdruß,daß sie eben diese Holländer für Beschüßer der Catholischen Niederlande er-kennen
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