Historische und Militarische Nachrichten. Cap. IV. 43
mando über die Armee in Flandern gab, und den Grafen de Sourdis in dasChurfürstenthum Cölln schickte. Jedoch gieng es diesen beyden Generals sogar übel von statten, daß Mr. de Louvois gezwungen ward, nach dem FeldsZug von 1689, von dem Marschall d'Humieres ganz abzugeben, und sich wiesderum zu dem Herrn von Luxembourg zu wenden, ob er gleich sein Feind war;was aber den Grafen von Sourdis anbelanget, so führete sich derselbe, in demChurfürstenthum Cölln, so übel auf, daß der König genöthiget ward, selbigenwiederum zurück zu ruffen. Nichts desto weniger stund Mr. de Louvois in ci-nem solchen Ansehen, daß er demselben das Commando in Guyenne, mit einerstarcken Besoldung, verschaffen konnte.
Eben so brachte es die Gunst des Herrn de Louvois, im Anfang des1690ften Jahrs, allein dahin, daß Monf. de la Trouffe zu dem Commandoder Armee in Italien bestimmet ward. Jedoch starb dieser General vor Er-öffnung des Feldzugs, und das Commando bey dieser Armee verblieb Mr. deCattinat, welcher als General- Lieutenant unter Mr. de la Trouffe dienen solte.Auch ist die neue Wahl, welche der Minister an diesem General gethan, durchDie glückliche Verrichtungen, welche dem Herrn de Cattinat den MarschallssStab von Franckreich zuwege gebracht, sattsam gerechtfertiget worden."and Diesemnach sehen wir, daß der Herr de Louvois und seine Maîtreffen,bis auf das Jahr 1691, darinnen er mit Tod abgieng, bey Vergebung dervornehmsten Stellen, bey nahe alle Macht allein gehabt, ausgenommendiejenige, welche der König, allein nach seinem Belieben, und mit Bey=hülffe des fleißigen Zuredens der Madame de Maintenon, zu thun fich ge al-len ließ, indem er den Marschall von Noailles zu dem Commando der Armeein Catalonien ernannte. Doch konnte diese schlimme Wahl nicht lange gehandhabet werden, sondern man muste den Herzog von Vendôme dahinschicken, der so denn des Königs Sachen wiederum in Ordnung brachte, undBarcellona einnahm.
Monf. de Louvois hatte nun wohl, durch sein Absterben, seinem Sohn,dem Herrn de Barbefieux, feine Stelle gelassen, er war auch jung und hat-te grossen Verstand; allein sein Ansehen konnte sich so weit nicht erstrecken,daß er die besten Bedienungen hätte, nach seinem Gefallen, vergeben mögen,wie sein Vater offt gethan hatte.
Nachdem also der Herr de Luxembourg mit Tode abgegangen, wel-ches gleich zu Anfang des 1695sten Jahrs erfolgete, so entschloß sich der Kösnig ganz allein, dem Herrn Marschall von Villeroi das Commando über seineArmee in Flandern aufzutragen. Jedoch ist dieser General, dem es an denwesentlichen Stücken, die zu einem folchen Commando erfordert werden,schlechter dings fehlete, wie es Franckreich mehr als zu sehr empfunden hat,F2
in