Historische und Militarische Nachrichten. Cap. VII. 55
vermittelst einer mächtigen Diverfion, bewahren konnten. Auch kamen wirhierdurch den verdrüßlichen Folgen ihres Verfalls klüglich zuvor, und machtenunsere Anstalten so wohl, daß eine solche Macht, die allen andern überlegengewesen wäre, nicht Wurzel faffen konnte, wie auffer dem des Hauses Oestersreich seine, das mit uns in Feindschafft lebet, unfehlbar würde beschaffen gewesen seya.
Alle diese politische Gründe, welche um so viel besser waren, weil siesich, nach allen demjenigen, was Franckreich den Käyser und die Spanierzu reißen vorgenommen, der Wahrheit gemäß befanden, dem Könige vonseinem heimlich erzürneten Minister, wie ich bereits gedacht, so nachdrücklichvorgestellet wurden, daß sie in dem Gemüthy dieses Fürsten ihre Würckungthäten, und ihn schlüßig machten, Philippsburg anzugreiffen, ohnerachtet erBasselbe, vermöge des Nimägischen Friedens, dem Kayser abgetreten, undDiefer ihm dagegen Freyburg, so dem Hause Desterreich von alten Zeiten hergehörete, nach icht gemeldetem Frieden überlassen hatte.
Gleichwie aber die Landes- Einkünffte von Philippsburg dem BißthumSpeyer gehörig, fo war der Kayser da nur von den Feftungs- Wercken Herr,nicht anders, als wie es der König die Zeit über, da er es innen gehabt, felbftgewesen war. Wenn man dieses nun wie man es erobert, fo fort geschleiffet, unddem Bischoff von Speyer die Wohnung darvon, in solchem Zustand, wiederumeingeräumet hatte, so würde es der Kayser, auf dem Reichs- Tage, nicht hasben dahin bringen können, das Reich zu veranlassen, daß es, um dieses Untersnehmens willen, der Cron Franckreich, welche im Grunde nur den Kayserfür seine Person beleidiget, den Krieg angekündiget hätte. Damit man aberdie Reichs- Versammlung überzeuget hätte, wir waren gar nicht willens gewesen dein Reich zu nahe zu treten, sondern uns nur gegen die künfftigen Ab-sichten des Kaysers in Sicherheit zu sehen, so wäre es weislich gehandelt geswesen, wenn man, nach der Schleiffung Philippsburg, die Armee so forthätte lassen wiederum über den Rhein gehen. Allein weit gefehlet, daß maneine solche weise Aufführung, die in der That geschickt gewesen uns dasjenige,so wir allen unsern Nachbarn im Frieden weggenommen, nach Wunsch zuversichern, hätte beobachten sollen, vielmehr entzog man dem Herrn Chur-Fürsten von der Pfaltz, des Kayfers Schwager, das feinige, man nahmfeine Festungen hinweg, man schleiffete diefelben, und brannte die Wohnungen darinnen ab. Eben so gieng man mit den Bischoffen von Speyer undWorms um, obgleich diese beyde Oerter Reichs- Städte waren. Über dembemächtigte man sich der Stadt Maynz und bey nahe deffelbigen ganzenChur- Fürstenthums, machte es auch nicht besser mit Trier und deffen gesammten Ertz- Bißthum, Coblenz ausgenommen, welches bombardiret ward. Auchlieferte