Buch 
Geheime und sonderbare Kriegs-Nachrichten des Marggrafen von Feuquieres / Antoine Feuquières de Pas
Entstehung
Seite
66
JPEG-Download
 

66 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. VII.

auf denn der Herr Churfürst von Brandenburg und das HannoverischeHaus den Herzog von Wolfenbüttel, der mit unserm Gelde über zwölff tausfend Mann angeworben hatte, vollig über den Hauffen warffen, so daß erso gar genöthiget ward, den größten Theil solcher Truppen in der AlliirtenDienste gehen zu lassen. Eben so ließ man den Churfürsten von Bayernnichts vornehmen, da immittelst der Kayser, durch sein Ansehen auf demReichs- Tage und in dem Reich, um den Untergang dieses Fürsten eifrig beamühet war. Als man hiernächst unsere Armee vor Nimagen hatte sehen lassen, gieng man ohne Ursache wiederum davon weg, so verlohr man auch Kay-ferswerth und die andern Festungen in dem Churfürstenthum Cölln, daraufGeldern, die Spanischen Festungen an der Maas, Limburg und Lüttich.

Ich rede von diesem mannigfaltigen Verlust nur um deswillen, weildieser die unvermeidliche Folge unserer Fehler gewesen, die wir, wieder dieRegeln, welche, falls man, aus eigener Wahl, einen Defenfiv. Krieg aushalten will, zu beobachten sind, unvorsichtiger weise begangen haben. Nun-mehro will ich auf die dritte Art des Krieges kommen, nehmlich auf diejenige,so zwischen gleichen Machten geführet wird.

Ich sage demnach, daß ein solcher Krieg, auf die Geschicklichkeit desGenerals, der solchen zu führen über sich genommen, und auf den besondernVorzug, welchen er, in Ansehung des natürlichen Verstandes, über den feindslichen General hat, lediglich ankommt, damit er sich Gelegenheit verschaffenkönne, die Natur dieses Kriegs zu verändern, und mit der Zeit einen Offenfiv-Krieg daraus zu machen. Damit ich aber die Wahrheit dieser Grund- Resgul erweise, so will ich solcher geschehenen Sachen, die sich, zwischen geschicktenGenerals, welche die Beschaffenheit des Kriegs, ohne eine sonderliche Action,die den Sachen den Ausschlag geben mögen, zu verändern gewust, zu meinerZeit begeben haben, einige Exempel anzuführen bemühet seyn.

Im Jahr 1673. war der Marschall de Turenne, mit des Königs Armee,an der Tauber, um zu verwehren, daß der General Montecuculi, mit derKayserlichen Armee, sich dem Nieder- Rhein nicht nähern und zu den Spasniern und Holländern stoffen könnte. Wie nun des Königs Armee ihr Brod,aus der Stadt Würzburg, bekam, immassen mit dem Herrn Bischoff vonWürzburg ein Tractat aufgerichtet worden, krafft dessen dieser Fürst sichanbeischig gemacht, daß er das Brod, in der Stadt, ungehindert backen lassen, und nicht gestatten wolte, daß der General Montecuculi Truppen hineinschicken und unfere Convoyen beunruhigen solte; so verließ sich der Marschallde Turenne auf diesen Vergleich so fest, daß er keine Geleite, die starck genug,abschickte, unsere Brod- Karren, bey dem Herausfahren aus der Stadt, anszunehmen und solche sicher zu unserer Armee zu bringen. Immittelst brachte

es