IV Historische und Militarische Nachrichten. Cap. VII. 97ten. Im Gegentheil aber ist es auch sicher, daß derjenige, so angreiffet, nichtsversäumen, sondern aufmercksamlich darauf bedacht seyn soll, es, wegen derOberhand, zu seinem Vortheil, auszumachen. Hätte demnach der Marschallde Lorges fein etwas vorgenommen, darneben die Tage, welche das Brod,so er nur aus Philippsburg und Fort- Louis bekam, aufzehreten, nicht unnů-her weise hingebracht, und über dies von der Beschaffenheit des Posten, wel-chen der Print von Baden auf der Höhe, bey Hailbron, genommen hatte, sichzuvor genau erkundiget, so würde er gewust haben, daß dieser Posten, auf derSeite von Lauffen her, nicht anzugreiffen wäre, und mithin würde man, mit derArmee, nicht vergebens dahin gegangen seyn. Eben so würde ihm bekannt gewe-sen seyn, daß, nachdem er Hailbron nicht angreiffen konnte, weil der Neckardarzwischen, zu dem auch der Ort von der feindlichen Armee bedecket ward, ergedachten Fluß entweder bey Neckar- Ulm, oder bey Wimpfen paffren musste, damit er, wieder selbige Stadt, woselbst aller Proviant für des Prinzenvon Baden Armee befindlich, mit gutem Erfolg agiren könnte. Und wanner also über den Neckar gegangen gewesen wäre, würde er leicht gesehen hasben, daß der Posten des Prinzen von Baden von hinten her nichts taugete,und hätte daher diesen Prinzen gezwungen Hailbron zu verlassen und sich hinter den Rocher in Sicherheit zu setzen. Es war auch dem Prinzen vonBaden so gar unmöglich den Übergang über den Neckar zu verwehren, unddieses aus zweyen Ursachen.
Erstlich, weil er allzuweit entfernet war, als daß er es hätte thun können, ohne daferne er sich seines Posten auf der Höhe, wo fein Lager war, nichtauf einmahl begeben wolte. Zum andern, weil deffen Truppen, wegen Besschaffenheit der Landes- Gegend, von dem Feuer der Königlichen Armee, einenwichtigen Verlust würden erlitten haben, angesehen der Boden des Feldes disseit des Neckars weit höher ist, als auf der andern Seite, daher denn dieArtillerie bey des Königs Armee, vor seiner, einen sehr grossen Vortheil würdegehabt haben.
Aus dieser Erzehlung muß man also den Schluß machen, daß der Marsfchall de Lorges einen Offenfiv- Krieg sehr schlecht geführet, der Prinz vonBaden aber sich, in Ansehung der Defenfive, recht wohl verhalten, und durcheinen Posten, der doch nur einen Schein der Sicherheit hatte, einen groffenVortheil zu erlangen gewust hat: immassen ermeldeter Posten in der Thatnicht von der Beschaffenheit derjenigen war, welche so gut sind, daß man sichdarinnen gegen eine viel stärckere Armee zu halten getrauen darff, weil manum solche nicht herum kommen mag, sondern dieselben an einer Spize, dieman mit guter Musse in tüchtigen Stand sehen können, anzugreiffen gezwungen ist.
Zweyter Theil.
Der