Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XVIII. 169
nerlichen Bewachung, und der Sorgfalt, wegen des äusserlichen, gar säumigerzeigte, zu dem auch sich darauf nicht wenig verließ, daß gedachter Ort vonunsern Festungen weit entfernet låge, und über dies mit Wasser allenthalbenumgeben wäre. Indem nun Mr. de la Bretefche von allem diefen benachrichtiget war, so richtete er seinen Anschlag und seine Anstalt darnach klüglich ein.Er langte also vor Tages um die Festung herum an, gieng so fort in den besdeckten Weg, that kleine von Weiden- Gerten geflochtene Schiffgen, oder vielmehr grosse und mit Wachs- Leinwand überzogene Körbe, in den Graben, undließ einen Theil von seinem Fuß- Volck hinüber sehen, das übrige aber behielter bey sich, damit es auf die Besaßung Feuer geben könnte, wenn solche etwaankame, und sich diesem Angriff wiedersehen wolte. Darauf hieb die übergegangene Infanterie die Sturm- Pfäle entzwey, und stieg oben auf das Boll-werck, und so bald dieses erfolget, gieng das zurück gebliebene Fuß- Volckebenfalls hinüber, nachdem es wahrgenommen, daß das vorangegangene sichdes Obertheils der Bastey bemeistert hatte. Da sie nun solcher gestalt drinnen in dem Platz stärcker waren, als die überfallene Festung, so eroberte erdieselbe völlig, und erhielt dem Könige diefen Ort bis auf den NimägischenFrieden.
Dieses Erempel des Uberfalls einer Feftung, die nicht mit Mauer- Werckeingefasset, bestätiget die Wahrheit meiner Regeln, wie man sich, in eineruneingefaßten Festung, gegen dergleichen gewaltsame Uberfälle verwahrensoll.In dem Jahr 1678. berennete der König die Stadt Gent, durch Uber-fall, immassen es ihm ausser dem nicht möglich gewesen wäre, diesen Ort zubelagern, indem es mit der Circumvallation sehr schwer würde hergegangenseyn, wenn der Feind Zeit gehabt hätte, sich dahin zu postiren und dieses Vor-haben zu verhindern. Die Absicht auf diese grosse Stadt suchte man da-durch zu verbergen, indem man sich stellete, als wenn die Bewegungen derTruppen auf die feindlichen Festungen, so hiervon am weitesten entfernet lagen, gerichtet wären. Der König selbst gieng daher in Person nach Mess,Damit seine Feinde desto besser glauben möchten, daß er Luxembourg oderNamur anzugreiffen willens ware; immittelst aber war seine ganze Armeein Flandern in Bewegung, und schiene, als wenn es auf Vpern angesehenware.
Da nun diese drey Festungen zugleich also bedrohet waren, so erwecktefolches einig und allein die Sorgfalt unserer Feinde, die sich einbildeten, eswäre nicht möglich, daß man zu Ende des Winters eine Circumvallation umGent herum anlegen könnte, weil es schwer fiele, aus einem Quartier in dasandere zu gelangen, welches denn Ursach war, daß dieses Vorhaben gelunge,Zweyter Theil.
welches