Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXIV. 337
Utrecht, auf der Seite nach Holland, hat machen lassen. Dieser Generalhatte eine zahlreiche Reuterey, der er, in der Stadt, kein Obdach geben konnte,weil es noch nicht so weit in das Jahr hinein war, daß er solche in die Winter- Quartiere schicken konnte, ließ daher die ganze Vorstadt verschanzen, undlegte, mit der Reuteren, einige Bataillons zur Wacht hinein, wodurch selbige dennihre Sicherheit erhielt.
In dem Jahr 1677. legte man unter Brisach auf einer Insul des Rheins,ein verschanztes Lager an, welches man nach der Zeit die Stroh Stadt gesnennet hat. Dieses Lager war nur gegen Elsaß verschanzet, und die Befestigung bestund blos in einer Brustwehr, so langst dem Rhein weggieng: dennwenn dieser Fluß in seinem ordentlichen Graben lieff, so war gar wenig Wasfer drinnen, und also hatte selbiges verschanzte Lager, wenn das Wasser niedriggewesen und diese Brust- Wehr nicht da gewesen wäre, leicht angegriffen werden mögen. Man hatte solches zu einem zweyfachen Gebrauch angeleget:Erstlich, daß man ein gröfferes Corps Truppen hinein legen möchte, als dieWohnungen und Casernen in der Festung fassen können, zu der Zeit da es denKöniglichen Diensten vorträglich seyn mochte, in Brisach ein ansehnlichesCorps zu unterhalten; zum andern aber wegen Bequemlichkeit der ProviantFuhren, davon die Pferde und Wägen sich in dasselbige Lager begaben, wenndie Armee disfeit des Rheins war, und man für dienlich achtete, das Brod ausBrisach zu holen, so doch nicht bequemlich, und ohne den Gebrauch der Brücke,geschehen mögen, wenn solche mit den Wågen beschweret gewesen wäre. Diesses Lager ist, bey dieser schlechten Brust- Wehr, an dem Arm des Rheins, stetssicher gewesen, weil es auf einer Seite lag, wo dasselbe von dem Feind nichtangefallen werden konnte, daferne er nicht, mit seiner ganzen Armee, disfeit desRheins gestanden hätte.
Das dritte verschanztelager, welches ich gesehen, ist das bey Lüttich, welches,auf Befehl des Königs von Engelland, Wilhelmi von Nassau, ist angeleget worsden, diese grosse Stadt, die ohne unmäßigen Aufgang nicht befestiget werdenkönnen, bestens zu bedecken, und durch dieses Mittel deren kleine Citadelle, soauf der Brabanter Seite lieget, so viel möglich zu beschirmen. Dieses aufDie Höhe gelegte Lager, vor der Citadelle, war gut, dessen Gråben waren breitund tieff, und die Brust- Wehren Schuß- frey, auch habe ich bis vierzig Batail-lons und so viel Efcadrons darinnen gesehen.
Mr. de Luxembourg näherte sich 1693. diesem Lager, und stellete sich aufalle Art, als wenn er solches angreiffen wolte; allein solches geschahe, wie ichschon anderwärts gefaget, nur deswegen, damit er den Feind veranlassen möchte noch mehr neue Truppen hineingehen zu lassen, welches auch angieng undGelegenheit zu der Schlacht bey Nerwinden gabe. Solchemnach ist diesesUu
Zweyter Theil.
Lager