Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXV. 345
Damit aber der Prinz von Condé dem Feind nicht mercken ließ, daß erwillens wäre, sich auf selbige Höhen zu sehen, so gab er nicht einmahl zu, daßeiniger Officier, aus Vorwitz, auf den Höhen, so der Feind nicht eingenoramen,herumspazieren oder sich da sehen lassen durffte, sondern stellete fich, als wenner auf das Quartier oben an der Schelde, so das auf der lincken der Circumvallation war, und auswendig an einem kleinen Bach lag, der in die Scheldefällt, einig und allein seine Absichten gerichtet hatte; doch so bald es Nacht geworden, und die Armee angelanget war, ließ er alsofort, durch den lincken Flu-gel zu Pferd, offt gedachte Höhen einnehmen, darauf stellete er auch einige Ba-taillons dahin, und erwartete in dieser Einrichtung, bis ihn der anbrechende Tagin den Stand sehen würde, die Fronte der Linie zu recognofciren, maffen ihmdie Höhen solche bis dahin verborgen gehabt, so dann aber solche mit allen Vortheilen, so ihm der Feind frey gelassen, indem er sich dahinein gesperret, nachdrücklich anzugreiffen. Der Feind hingegen, welcher die Belagerung der StadtOudenarde nur in der Vermuthung unternommen, daß der Prinz von Condénicht im Stande ware, sich darwieder zu setzen, zu dem ein allgemeines Treffenzu veranlassen verabscheuete, war seines Orts auf anders nichts bedacht als wieer gleich mit einfallender Nacht die vorgenommene Belagerung aufheben möchte. Gleichwie aber ein entsetzlicher Nebel, der ein wenig nach Mitternacht seisnen Anfang nahm, die Kanntniß von dem Abzug der feindlichen Armee gånglich entzog, dieser ihre Linien auch nur durch einen Nachzug von Dragonern,Der Lermens genug machte, und dadurch diejenigen, so hinzu naheten, auf dieGedancken bringen wolte, daß die Armee sich längst der Linie in SchlachtOrdnung stellete, zum Schein besetzt gelassen war, fo sale man, wie der Nebel in die Höhe zu steigen anfieng, daß das Ende der Armee schon aus der Cir-cumvallations- Linie heraus war, und sich nach der Gegend der Stadt Gentgezogen hatte.
Nun hatte der Prins von Condé der feindlichen Armee, die in Colonnenwar, zwar gerne nachsehen lassen wollen, allein der Graf von Souches, derdie Kayserlichen Truppen commandirte, wuste ihn, durch eine kluge Bewegung, die er machte, davon abzuhalten, indem er die Armee von vornen nachdem Hintertheil marschiren, und die Höhen, se hinter denjenigen lagen, welcheDer Pring von Condé, mit seiner Armee, innen hatte, besetzen ließ.
Bey der Erzelylung desjenigen, so bey Aufhebung der Belagerung Ou-denarde vorgegangen, findet man, über die Umstände einer Action von derArt, davon ich in diesem Capitel rede, keine sonderliche Anmerckung zu machen; nichts desto weniger aber giebet folche an die Hand, mancherley Bestrachtungen über diese Materie anzustellen.
Die erste, so vorkommt, gehet vor der Zeit der Belagerung her. ManZweyter Theil.
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