Historische und Militarische Nachrichten. Cap.XXXV. 349
Nach Aufhebung dieser Convoy hatte der Pring Eugenius Nachrichterhalten, daß das Quartier von der Doria am Nieder: Po ohne Linien sich besfände, und über dies gat wenige Truppen darinnen waren, gieng daher, beyAlpignan, eiligst über die Doria, und lagerte sich bey der Venerie. Wäre nunda des Königs Armce aus den Linien gegangen, und hatte selche hinter sich behalten, darauf aber sich in der Ebene von Millefleurs, wo der Feind war, inSchlacht- Ordnung gestellet, so ist gewiß, daß er über die Doria nicht hätte gehen dürffen. Und eben dieses ist der dritte Fehler, so wieder die gewisse Regel, daß man seinen Feind in Circumvallations- Linien nicht erwarten soll, abermahl ist begangen worden.
Zwar spurete man endlich wohl, aber zu spát, daß das Quartier du Ba-lon, welches der Hertog de la Feuillade, mit Linien, zu bedecken verabsäumethatte, fich in Gefahr befände, nachdem die Armee über die Daria gegangenwar, durffte also klug gewesen seyn, wenn man auf der Stelle, mit der ganzenArmee, über diesen Fluß gegangen våre, indem es ja nicht mehr von nöthenwar, da in Linien langer zu verharren, wo es keinen Feind mehr gab; alleinman verfahe auch diese heilsame Bewegung, und dieses an Truppen schwacheQuartier ward den andern Tag von der gesammten feindlichen Armee angesgriffen, so daß solche auf drey Colonnen zu Fuß anrückete und von der gangenReuterey bedecket ward. Auch bekam man von dem feindlichen Anmarsch sospat Nachricht, daß man nicht Zeit genug hatte, so viel Volcks über die Doriagehen zu lassen, daß selbiges des Feindes hartem Anfall hätte wiederstehen können, daher denn das Quartier du Balon gar behende überwältiget, der Ortentfehet, und die Belagerung, mit Verlust der ganzen Artillerie, deren eineüberaus groffe Menge da war, in hefftiger Unordnung aufgehoben ward. Jeadoch verursachte der Tod des Marschalls de Mai fin, welcher in dem Quartierdu Balon entweder getödtet, oder zum wenigsten tödtlich verwundet und ge-fangen ward, die Unordnung der aufgehobenen Belagerung keines weges, fondern vielmehr die schmerzhaffte Verwundung des Herzogs von Orleans, derfich ferner zu agiren ausser dem Stande fahe.
Dieses Erempel giebet abermahl zu erkennen, wie schwer es sey, der Unordnung abzuhelffen, die ein einziges Quartier von einer überwältigten Cir-cumvallation verursachet. Denn obwohl dieses, von der übrigen Armee, soan dem Unglück des Quartiers du Balon feinen Theil hatte, durch die Doriaabgesondert ward, so hat es dennoch Würckungen hervorgebracht, die mannach der Zeit nur allzu sehr empfunden, und bereits dermassen bekannt sind, daßes eine vergebene Sache wäre, wenn ich hier etwas davon gedencken wolte.
Aus diesen drey Exempeln eroberter Linien, die ich alleweile erzehlet hasbe, soll man den Schluß machen, daß es für einen General allemahl gefährTich
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