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Geheime und sonderbare Kriegs-Nachrichten des Marggrafen von Feuquieres / Antoine Feuquières de Pas
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374
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374 Historische und Militarische Nachrichten.

Cap. XLI.

trefcarpe angreiffen wolte. Ob auch wohl dieses Vornehmen gelungen, so sollman es doch, wegen aller obangeführten Ursachen, nicht nachthun.

Als der Herzog von Lothringen, welcher die Kayserliche Armee comman-Dirte, im Jahr 1689. die Stadt Maynz belagerte, der Marquis d'Uxelles aber,fo nunmehro Marschall von Franckreich ist, felbige Festung defendirte, so wol-te gedachter Fürst die Contrescarpe mit Gewalt angreiffen lassen, nachdemer zuvor den Haupt- Wall des Orts, durch seine Stücken, hatte in den Grundfchieffen lassen.

Allein diese Contrescarpe war zur Gegenwehr besser geschickt gemacht,als die zu Mastrich. In dem bedeckten Wege gab es doppelte Pallisaden, soDermassen wohl eingestecket, daß sie eine gute Würckung hervorbringen konnten. Daher als der Herzog von Lothringen dieselben, durch das gesammteFuß- Volck von seiner Armee, in vielen Colonnen, angreiffen ließ, die Leuteauch in der vordersten Reihe mit Rüstungen, so eine Musqueten- Kugel aushalten konnten, versehen waren, so ward doch das Feuer, aus diesen zweyen Verpallisadirungen, unter währendem Sturm, der bey nahe den ganzen Tag währete, und sehr hartnäckig war, so wohl regieret, daß es dem Feind zu keiner Zeitmöglich fiel, es dahin zu bringen, daß man diese Contresearpe eher, als gegendas Ende des Angriffs, verlassen hätte: angesehen Mr. d'Uxelles, der in derFestung nicht mehr so viel Pulver übrig hatte, als er zu Aushaltung einesneuen Sturms von nöthen gehabt hätte, alsdenn zuließ, daß die Feinde sichauf einem Winckel fest sezen mochten, damit er zu dem Capituliren einen Fürwand hätte, ohne daß der Feind auf die Gedancken fallen könnte, daß er sichnur darum ergåbe, weil es ihm an Pulver fehlete.

Dieses Erempel dienet, zu überzeugen, was für Nußen der angreiffendedabey finde, wenn er die Fronte des Angriffs durch seine Arbeit einfaffet, undden Belagerten, vermittelst seiner Verschanzungen auf dem Obertheil desGlacis, dahin bringet, ihm den Besitz seiner Contrescarpe und seines bedecktenWegs zu überlassen, weil es unmöglich ist, Leute daselbst zu halten. Gleich-wie aber die Leute, so hinter den andern Pallisaden stehen, durch ihr zweytesFeuer, darauf der angreiffende sich nicht gefaßt gemacht hat, denjenigen, so hinter der ersten Pallisade sind, Zeit geben können wieder zu laden, so verursachetdiese Art von Sturm, daß sehr viele Mannschafft draufgehet.

Bey der Belagerung der Festung Namur, Anno 1695.und der Stadt Me-nen, 1706. haben sich unsere Feinde ganz anders aufgeführet.Sie habenvor gedachte Oerter eine entsetzliche Menge schweres Geschütz geführet, unddieses auf Batterien gebracht, in der Absicht, daß sie, unter der Bedeckungdieses Feuers, die gange Fronte des Angriffs zugleich ruiniren wolten. Esist ihnen also leicht gefallen, mit der Arbeit des Lauff Grabens fortzurücken,

und