386 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XLVII.
Ich habe die Belagerungen, so diefe beyde Feldzuge über vorgenommenworden, überhaupt erzehlet, damit ich zeigen möge, auf was für eine untersschiedene Art man sich, in Anschung der Capitulationen, verhalten habe.
Bey denen, so im Jahr 1667. vorgenommen worden, fanden wir dieBesatzungen allenthalben schwach, und man wußte, daß die Festungen, einewie die andere, schlecht versehen waren. Daher hatte es in dem geringstennichts auf sich, wenn man den Commandanten, in der Capitulation, die geswöhnlichen Ehren- Zeichen des Kriegs zustund, weil man viele Festungen einsnehmen wolte, daher mufte man den Besatzungen die Bedingungen, die sieverlangten, allerdings bewilligen, damit man sich nicht aufhalten durffte:auch begehrte man unfers Orts dabey weiter nichts, als daß die ausziehendeBesagung an einen Ort, den man anzugreiffen nicht gesonnen war, geführetwerden solte. Auf solche Weise nahm der König felbigen Feldzug den Spasniern viele Festungen ab, ohne daß er zu besorgen hatte, daß er die Besasung,so aus einem Ort gleich ausgezogen war, an diesem oder jenem wiederum antreffen würde.
Håtte aber der König, in dem Jahr 1672. sich auf gleiche Art verhalten,so würde er endlich, in den letzten Festungen, die er angriffe, so groffe Corpszu Fuß angetroffen haben, daß es wieder die Klugheit gehandelt gewesen wäre,dieselbigen zu belagern, weil das Fuß- Bolek, welches man in den Festungen,die man einnahm, lassen muste, die Armee, nach der Maasse, da man in dasLand hinein drang, um ein grosses verminderte.
Indessen habe ich mich, bey dem unterschiedenen Verhalten, so man, inAnsehung der Capitulationen, diese zwey Feldzuge hindurch beobachtet hat, nurum deswillen etwas aufgehalten, damit ich zu erkennen gebe, daß, wenn mandie Vorschläge eines belagerten Commandanten anhöret, man, bey Errichtungder Artickel, auf die Beschaffenheit des Kriegs überhaupt, feine Gedanckeneben so sehr wenden müffe, als auf den Zustand der Armee und der belagertenFeftung.
Damit ich aber nunmehro die eigentlichen Umstände derjenigen Belagerungen vorstelle, darinnen man sich, in Ansehung der Gegenwehr, so schlechtverhalten, daß die Fürsten genöthiget worden, die Commandanten derselben,durch das Kriegs- Recht, abstraffen zu fassen, weil sie die ihnen anvertraucteFestungen zur Ungebühr übergeben, hiernächst aber auch von denen rede, wodie Gegenwehr gut und weise gewesen ist, so will ich bey Naerden, so in demJahr 1673. von dem Prinzen von Oranien belagert, und durch Mr, du Pasvertheidiget worden ist, den Anfang machen.
Mr. de Luxembourg, welcher in des Königs eroberten Orten in Hollandcommandirte, gieng in die Festung einige Stunden zuvor, che sie berennet
96
ward