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ten, und fochten in 5 bis 6 Gliedern. Auch war dasFußvolk einförmig gekleidet, und hatte, außer dcrMon-tirung, lange Mantel, welche aufgewickelt auf denSchultern getragen wurden. Die Reiterei war nochauf die alte Art bewaffnet, und focht in Schwadronen;da aber jeder Reiter sich selbst mit Pferd, Rüstung undKleidung versehen mußte; so laßt sich leicht denken,daß keine Uebereinstimmung und keine Disciplin mög-lich war. Friedrich Wilhelm scheint ihr indessen denVorzug vor seinem Fußvolk gegeben zu haben: bei denSchlachten von Warschau und Febrbellin focht er anibrcr Spitze; und wenn man die Natur seiner Staa-ten, welche fast durchaus flach und eben sind, in Er-wägung zieht, so laßt sich dieser Vorzug erklären. WaSdie Besoldung anbetrifft: so war solche, bis zu seinerRegierung, aus keinen bestimmten Quellen genommenworden. und er selbst unterhielt seine Truppen anfäng-lich noch von den S'Mfsgeldern, welche er von Schwe den , Oestreich, Spanien und Frankreich zog. Aberwie man im Jahre 167b die Accise in den Städten ein-führte, wurden die Einkünfte davon der Kriegskasseangewiesen, und der Sold des Infanteristen monat-lich auf einen und einen halben Thaler festgesetzt.
Der Zustand der Artillerie während seiner Regie-rung ist nicht genau bekannt; man weiß nur, daß,wie gedacht, die Reiterei Kanonen bei sich führte. Beider Schlacht von Fehrbellin belief die Zahl derselbensich auf 12 Stücke. Des schweren Geschützes scheint,nach der Belagerung von Stettin , im Jahre 1677, zu ur-theilen, sehr wenig gewesen zu seyn. Indessen kommtdenn doch unter den Generalen dieses großen Mannesein Gencralfeldzeugmeister vor. — Von dem Jnge-nieurwesen giebt die gedachte Belagerung keinen sehrvortheilhaftcn Begriff. Auch können zum Beweise hie-ven die Werke dienen, welche er um Berlin herum auf-führen ließ. Aber die Kriege, welche Friedrich Wil-helm zu führen genöthigt war, und die Einsichtenund der Muth, mit welchen er solche führte, flößtenden preußischen Truppen zuerst wahren kriegerischenGeist ein.