154 Kenntniß vrr Baumaterialien; 1. Abtheil. 2. Kap.
Man hat die Erfahrung gemacht, daß in einem gemäßigten Klima,wie das Rhonedepartement, Pise'-Mauern von 18—20 Zoll Dicke,die zu Anfang des Monats Mai beendigt waren, zu Ende Septem-bers oder zu Ansang Oktobers zum Uebcrzug des Anwurfs trockengenug waren, und daß die im Juli und selbst im August beendigten
die Witterung zu verschaffen. Dieses ist deswegen durchaus nöthig, weil derSchlaaregen vorzüglich an der Wetterseite des Gebäudes sehr kräftig auf dieseArt Mauerwerk wirkt. Das Abhalte» der Feuchtigkeit ist überhaupt durchausnothwendig. — Ein weit hervorragendes Dach schüyt sehr gegen den Schlag-regen; es ist zumal bei niedrigen Gebäuden, und wenn man von Pis « oderungebrannten Steinen bauet, sogar nothwendig, die Balke» weil überstehe»zu lasse», weil die Wand dadurch einigermaßen gegen Schlagregen und Schnee-gestöber geschützt wird.
Man sucht gemeiniglich durch einen Kalkanwnrf die PisL-Lehm- undLnftsteingebäude gegen die Witterung zu schützen, und damit der Kalk oderMörtel desto besser hafte, läßt man die Oberfläche des Lehms oder Pisß mitscharfem grobkörnigen Sande, oder gröblich zerstoßenen Ziegelschutt bestreuen,diesen wohl eindrücke», aber nicht glatt einreiben, und den Lehn, öder diePisü hart austrocknen, ehe man den Kalkanwnrf darauf bringt. Man legtauch wohl Häckche» oder hölzerne Späne in die Masse, um das Festhalte» desAnwurfes zu befördern. Aber Kalk und Lehm, oder Pisü, gehen keine chemi-sche Verbindung ein, und die mechanischen Hülfsmittel, nemlich da« Einlegenklein gespaltener Hölzer oder Reiser zwischen jeder Pisä-Schicht, in verschie-denen oder sich kreuzenden Richtungen, um das Anhaften des Anputzes zu be-zwecken, habe» wenig Werth. Wer vermöge der Anwendung, sey es durch-Beimischung von Spreu oder andern Zuschlägen, eine dauerhafte wohlfeileVerbindung des Kalkmörtels mit der äußeren Lehm- oder Pisü-Mauer bewir-ken kann, dem gratulire ich dazu.
Der Preußische Bauinspector Sachs sagt in seiner Anleitung zum Pisü-Ba», es sey am zweckmäßigsten, wenn man unmittelbar auf den Lehm einenRapp-P»y legt, und zwar von Mauerkalk, scharfem Mauergrand und Lehmin nachfolgendem Verhältniß: drei Theile Lehm, mit Wasser zu einem Teigeangemacht, und einen Theil Kalkmörtel, der aus zwei Theilen Sand und einemTheile Mauerkalk bereitet ist. Auf diesen Rapp-Pny könnte alsdann der ge-wöhnliche glacre Anputz in einer mäßigen Dicke aber scharf angerieben aufge-tragen werden. Ferner bei den Mauern, die zwischen Bretierforme» aufgeführtsind, sey es rathsam, daß man in die zuvor glatt gebeilie Oberfläche mit einemSpiheisen, oder besser mit einem Eise», woran sich mehrere Spitzen befinden,2 —Z Zoll tief Löcher einschlüge, und zwar »ach einer schrägen Richtung vonoben nach unten. Der Rapp-Pnh sehe sich bei dem Anwerfen in diese Löcherund bleibe hängen. (Accum II. Bd., S. 102.)
Aumerk. d. Uebers.