Kenntniß der Baunmtenalien; von dem Sand. 197
Der mit Kalk und spanischer Kreide oder mit Kreide von Bou-gival angemachte Mörtel, dessen sich die Anstreicher bedienen, wirdviel härter und schöner, als der feinste Typs; er bildet einen Abputz-mörtel, der geglättet und mit Filz abgerieben so schön und glänzendwird, als der italienische Stuck.
Philibcrt Delorme sagt (1. Buch 16. Kapitel): daß wenn manzur Aufführung einer Mauer Kalk aus derselben Steinärt bereite, mitdenen die Mauer aufgeführt sey, daraus ein stärkerer Verband bezwecktwürde, weil der Kalk in diesem Steine dieselben flüchtigen Salzefände, die er durch das Calciniren verloren habe. Aus mehreren Ver-suchen geht jedoch hervor, daß der Kalk in dem Pulver des harten,zur Erzeugung guten Kalks geeigneten, Steines nicht so reichlich fin-det, was ihm abgeht, als in gewissen Gattungen von weichen Stei-nen, wie z. B. in dem Stein von St. Leu, weil seine Mischung mitdem erstern keinen so gut bindenden Mörtel giebt, als seine Mischungmit dem zweiten. Da aber auch der aus dem Stein von St. Leugebramitk Kalk nur sehr mittelmäßig ist, so bildet seine Mischung mitdem Pulver von demselben, oder auch von hartem Stein nur einenschlechten Mörtel ohne Dauer.
Aus allem, was bisher über die Sandarten gesagt worden ist,darf man jedoch nicht schließen, daß der gegrabene Sand immer derbeste sey, weil, wie Leo Baptist Albcrti sehr vernünftig bemerkt hat,nicht der Ort, wo der Sand gegraben wird, ein Beweis seiner Güteist, sondern die Beschaffenheit seiner Bestandtheile. Als ein Beispielführt er den Mcersand an, der von allen Schriftstellern für den schlech-testen gehalten werde; in der Gegend von Salerno gebe es jedocheinen, der eben so gut sey, als der beste Grubensand. Es ist wahr,er bemerkt, daß dieser gute Sand nur an dem Ufer des Meerbusensgegen Libeccio, d. h. gegen Südwest gelegen, zu finden, und daß dervon den andern Seiten der Küste von schlechter Beschaffenheit sey.Daher müssen die vernünftigsten Schlußgründe darin bestehen, daßman den Sand unabhängig von seinem Fundort untersucht, und sichbloß merkt, daß bei gleicher Qualität der Grabsand dem Flußsandzum Mauerwerk vorgezogen werden müsse, während der letztere, wieVitruv sagt, eher zum Anwurf gebraucht werden solle.
(Zu vorstehendem habe ich nur noch drei Punkte hinzuzufügen:Fluß- oder Quellsand ist zwar in der Regel außerordentlich rein,er bestehet aus feinen fast farbenlosen durchscheinenden Quarzkör