Kenntniß der Baumaterialien; von der Puzzolanc. 205
nung Vitruv's zu rechtfertigen, sich unter einer eben so großen StreckeLandes ungeheuere Schlünde vorstellen, aus denen brennende Dünsteaufgestiegen sind, die stark genug gewesen wären, um die Erd- undSteinarten aller der Gegenden 'zu zersetzen, wo es Puzzolanc giebt,was deswegen nicht wahrscheinlich ist, weil man in den Puzzolan-Adern Stoffe findet, die durch das Feuer nicht verändert worden zusenn scheinen.
Es giebt mehrere Arten von Puzzolanc in der Gegend von Nea-pel , und zwar von grauer, gelber, brauner und schwarzer Farbe; siesind mit sehr feinem Staub und leicht zerreiblichen Schlacken vermischt,die beim Zerstoßen ein kleines Geräusch geben, wie der Bimsstein.Diese Schlacken scheinen eine Mischung von Ueberbleibseln poröserLava, Tuff und BimSsteinen zu seyn und brausen mit Säuren einwenig auf-
Die Puzzolanc von Rom ist rothbraun mit glänzenden metallgel-ben Theilchen (Feldspalh) vermischt, und braust mit keiner Säureauf. (Winkclmann sagt, daß die Alten röthliche Puzzolanc weniggebraucht hätten, jetzt werde sie aber in Rom mehr gesucht, als dieschwarze.) Sie nur kann mit Kalk allein angewendet werden, mitdem sie einen vortrefflichen Mörtel giebt, während die von Neapel mit Sand und Steingrus vermischt werden muß, besonders die gelbe,welche sanft wie Thonsand anzufühlen ist.
Durch Vermischung mehrerer Arten von Puzzolanc, und zwarder erdigen mit der steinigen, bereitet man auch einen vortrefflichenMörtel. Braucht man sie aber zum Wasserbau, so mischt man grauePuzzolanc von Neapel mit Sand, Rapillo (nach Winkelmann eineArt Tuff, die eigentlich Lapillo heißen sollte, und ein steinigterschwarzer Gries ist), und Stein ab fällen: die Mischung dieser ver-schiedenen Stoffe bildet, wenn sie mit frisch abgelöschtem gutem Kalkzu wiederholten Malen umgerührt wird, einen vorzüglichen Wasser-mörtel, der im Meerwasser erhärtet, wo er sogar von besserer Dauerist, als Stein. Längs der Meeresküste zwischen Neapel und Gaötatrifft man ungeheuere Massen von Mauern, die bloß aus diesemMörtel kvnstruirt sind. Die Fluthen des Meeres haben diese Massen
schwillt auf und erhärtet. — Die beste Puzzolanc wird stets in den alten La-raströmen gefunden; die in den neuen bildet einen schlechten Mörtel.
Anmerk. d. Uebers.